Ehrenbürger

Louis Berger

Der erste Ehrenbürger der Stadt war Louis Berger, der fast schon vergessen, im Jahre 1999 von Dr. Klaus Petry aufgespürt wurde

Louis Berger, geboren 1829 in Witten, erhielt die Ehrenbürgerwürde der Stadt Wittlich 1884. Im Beschluss der Stadtverordneten vom 23. Juli 1884 wird angegeben, dass er sich um “die Förderung der Eisenbahnverkehrsverhältnisse um die Stadt verdient gemacht” hat. Ihm ist es zu verdanken, dass die Bahnverbindung zwischen Wittlich und Wengerohr gebaut wurde und Wittlich damit an das deutsche Eisenbahnnetz angebunden wurde. Berger war Besitzer eines Eisenwerkes in Witten.
Von 1865 bis 1891 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, von 1874 bis 1881 Mitglied des Reichstages. Heute ist nach ihm ein Teil des Maare-Mosel-Radweges benannt.

 

Unvergessen ist der zweite Wittlicher Ehrenbürger Matthias Joseph Mehs: Stadtverordneter in den Jahren 1929 bis 1933, ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt von 1946 bis 1953, von 1953 bis 1957 Beigeordneter der Stadt. Mehs gehörte als Abgeordneter dem ersten Bundestag der Bundesrepublik Deutschland an. Der weithin bekannte Heimatforscher hat sich zeit seines Lebens nicht nur mit der Geschichte seiner Heimatstadt Wittlich beschäftigt, sondern hat auch eine noch heutig nachwirkende, den gesamten Verlauf des Jahres prägende Institution ins Leben gerufen. Seit der ersten Wittlicher Säubrennerkirmes im Jahre 1950 teilen die Wittlicher das Jahr in zwei Teile ein: die Zeit vor und die Zeit nach der Kirmes. Matthias Joseph Mehs wurde die Ehrenbürgerschaft im Jahre 1966 verliehen. Er lebte von 1893 bis 1976 in Wittlich.

Matthias Joseph Mehs kommt ein weiteres großes Verdienst zu: Er hat im Jahre 1933 als Fraktionsvorsitzender der Zentrumspartei im Stadtrat durch seine listige Hinhaltetaktik verhindert, das Adolf Hitler Ehrenbürger der Stadt Wittlich wurde. Als der Antrag auf Verleihung der Ehrenbürgerschaft in der Stadtverordnetenversammlung von der NSDAP gestellt wurde, schlug Mehs die Einsetzung eines Ausschusses vor, der die Verdienste Hitlers für die Stadt untersuchen sollte. Da die in den neuen Ausschuss gewählten Mitglieder der NSDAP den Sitzungen fern blieben, kam es zu keinem Vorschlag an die Stadtverordnetenversammlung. So wurde der Antrag, den Führer und Reichskanzler zum Ehrenbürger von Wittlich zu ernennen, nie abschließend behandelt.

Mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde wurden am 2. September 2004 zwei Wittlicher Bürger geehrt, die über lange Jahre durch ihr politisches Engagement wesentlich zur Entwicklung der Stadt beigetragen haben. In Würdigung dieser besonderen Verdienste hat der Stadtrat am 6. Mai 2004 einstimmig beschlossen, Wilhelm Schrot und Hans-Günter Heinz zu Ehrenbürgern zu ernennen. Dass die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes in der Stadt Wittlich etwas ganz besonderes ist, wird dadurch unterstrichen, dass es in den letzten 120 Jahren der Stadtgeschichte bisher erst zwei Ehrenbürger gab. Albert Klein und Ralf Bußmer würdigten die Verdienste von Wilhelm Schrot und Hans-Günter Heinz in ihren Ansprachen.

Der erste Beigeordnete Albert Klein zitierte zu Beginn seiner Laudatio auf Wilhelm Schrot Landrat Dr. Helmut Gestrich: “Nichts, was in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Wittlich und im Wittlicher Land geschehen ist, ist ohne Bezug auf das Wirken von Willi Schrot als Landes- und Kommunalpolitiker geschehen. Und manches, was noch geschehen wird, führt seinen Ursprung auf dieses Wirken zurück!” Diese Beurteilung aus dem Jahre 1979 drückt die Bedeutung des Wirkens von Wilhelm Schrot aus. Klein unterstrich die enge Verbundenheit des neuen Ehrenbürgers mit seiner Heimat und seine Verwurzelung im christlichen Glauben sowie die Zuverlässigkeit seines Arbeitens. Schrot gehörte von 1948 bis 1979 den Kreistagen der Landkreise Wittlich und Bernkastel-Wittlich an. Seit 1965 war er Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion und Kreisdeputierter. Von 1967 bis 1979 war Wilhelm Schrot Landtagsabgeordneter. Albert Klein bezeichnete Schrot als eine “Wittlicher Institution”. Er bedankte sich auch im Namen der Stadt für seine “große und großartige Lebensleistung”.


Bürgermeister Ralf Bußmer würdigte die Verdienste von Hans-Günter Heinz. Heinz wurde 1964 in den Wittlicher Stadtrat gewählt und gehörte diesem als Fraktionsvorsitzender der FDP bis 1999 an. Landtagsabgeordneter war Heinz von 1979 bis 1983 und von 1987 bis 2001, in den Jahren 1987 bis 2001 war er Landtagsvizepräsident. “Hans-Günter Heinz hat sich für seine Stadt Wittlich verdient gemacht. Er hat durch seine zielstrebige und bienenfleißige politische Arbeit maßgeblich zur nachhaltigen Stärkung der Wirtschaftskraft seiner Heimatstadt beigetragen”. Bußmer erwähnte die Bemühungen von Hans-Günter Heinz um die Stadtsanierung, die Ansiedlung von Industriebetrieben und seine Mitwirkung an der vorausschauenden Baulanderschließung und Verkehrsplanung. Bußmer bedankte sich bei Hans-Günter Heinz für dessen Einsatz, wenn es um die Belange der Stadt ging und immer noch geht. Er bedankt sich persönlich für den stets “parteilosen, sachlichen Rat”. “Nie unaufgefordert, nie aufdringlich, immer zielführend, moderat in der Sache und charmant im Umgang!” Ralf Bußmer: “Wir sind stolz auf Sie und stolz darauf, dass wir heute Ihre Verdienste für die Stadt mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Wittlich würdigen können.”

 

 

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