Türmchen

„Türmchen – das Wittlicher HisTörchen“

Museum zur Stadt- und Befestigungsgeschichte Wittlich

Seit dem Herbst 2017 verfügt die Stadt Wittlich über ein weiteres Museum. Das „Türmchen“, das letzte Gebäude der ehemaligen Befestigung der Stadt Wittlich, wurde restauriert und zu einem Museum zur Stadt- und Befestigungsgeschichte gewidmet.

Auf wenigen Quadratmetern wurde die Wohnsituation des mittelalterlichen Türmers mit Aufenthalts- und Schlafraum simuliert. Zusätzlich werden ausgewählte historische Exponate wie zwei Takenplatten und eine aus dem Schloss Philippsfreude stammende Kanone präsentiert. Um weitere Informationen über die ehemalige Befestigung transportieren zu können, wurde eine informative Beschallung im Eingangsbereich installiert.

Im Obergeschoss sind wunderbare Graphiken mit Motiven aus der Stadt zu sehen. Geschaffen wurden sie zwischen 1946 und 1949 von der Künstlerin Hedwig Schulze.

Tipp: Die Drucke wurden 2017 von der Künstlerin Senne Simon in zweiter Auflage gedruckt und sind in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus erhältlich.

Zur Geschichte der Stadt informiert der 12minütige Film „Türmchen – das Wittlicher HisTörchen“, der nach einer Idee von Bürgermeister Joachim Rodenkirch und der Leiterin des Kulturamtes der Stadt Wittlich, Elke Scheid, entwickelt und gestaltet wurde. Attraktiv auch, dass die Vertonung und Erstellung des Films von jungen Wittlicher Firmen realisiert werden konnten und es sich bei dem Sprecher um den aus Wittlich stammenden Schauspieler Manuel Klein handelt. Der informative Zeichentrickfilm richtet sich an Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene.

„Türmchen – das Wittlicher HisTörchen“, Burgstraße 57, in Wittlich. 

Aus Sicherheits- und Platzgründen können nur 6 erwachsene Personen gleichzeitig das Museum besuchen. Den Schlüssel zu diesem städtischen Museum erhält man im Alten Rathaus, Neustraße 2, Wittlich. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags: 11 bis 17, sonn- und feiertags: 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet € 1,--, weitere Informationen unter info@kulturamt.wittlich.de oder 06571/17-1355.

Weitere Informationen

Der in Wittlich geborene Kunsthistoriker Dr. Klaus Freckmann zum "Türmchen":

Wittlich - seit 1291 Stadt - erhielt Anfang des 14. Jahrhunderts seinen Mauerring, der heute allerdings nur mehr spurenweise erhalten ist. Mehrmals zerstört  und wiederaufgebaut - 1689 im Zuge der Reunionskriege, während der Stadtbrände im 18. Jahrhundert -, diente die Stadtmauer dem Schutzbedürfnis der Bevölkerung bis Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts. In der frühen preußischen Zeit wurde der Befestigungsring kaum mehr instandgesetzt. Da die Stadttore der Ausdehnung des Ortes hinderlich waren, legte man sie nach und nach nieder - so zwischen 1825 und 1828 das Trierer Tor und 1824 das Himmeroder Tor. Übrig blieb - und das auch nur teilweise - das Burgtor, das einst den Stadtzugang von Richtung Neuerburg beschirmte.

Über die Gestalt der Stadttore geben eine Katasterzeichnung von 1759, einige Stadtansichten aus der Mitte oder zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und eine auf diesen Unterlagen basierende Rekonstruktion des Stadtplanes (von Claus Mehs) Auskunft. Demnach handelte es sich um Doppelturmtore, bestehend aus einem Mittelbau mit Tor und flankierenden Türmen. Als ein Rest solcher seitlichen Türme ist das heutige Burgtor oder Türmchen anzusehen, - einst ein westlicher Flankenturm.

Der Bau mit einem fast quadratischen Grundriß von ca. 5 x 5m gliedert sich in drei Wohnebenen. Das Dach ist als eine geschweifte Haube gebildet, deren Grate in einem Knauf auslaufen. Beherrschend wirkt der mächtige, gedrungene Kamin. Als Baumaterial ist Bruchstein verwendet, der überputzt ist. Die Fenster und der Haustürrahmen weisen mit ihren geraden Gewänden auf das späte 18. oder frühe 19. Jahrhundert. Ein Schauloch in der Gestalt eines Löwenkopfes - angebracht an der Feldseite - gehört offensichtlich einer älteren, wohl mittelalterlichen Bauperiode an. Dieser Kopf - aufgefasst als eine Maske oder Fratze - steht in der Tradition der abweisenden Häupter von Ungeheuern, Gorgonen oder Sphinxen - wie von Kölner und Trierer Bauten bekannt.

Bei der inneren Gliederung des Gebäudes ist auf den niedrigen Keller mit Balkendecke hinzuweisen. Sicherlich entstammt sie nicht mittelalterlichen Bauphasen, sondern der Zeit des Aus- und Wiederaufbauens im 18. Jahrhundert. Das Parterre besteht aus einem Wohnraum und einem sich winkelartig verbreiternden Flur mit der ehemals offenen Feuerstelle. Es ist fraglich, ob diese Aufteilung noch auf mittelalterliche Vorstellung zurückzuführen ist oder ob nicht vielmehr die Betonung des Wohncharakters mit der Anlage der Flurküche einer späteren Zeit entspricht, als das Türmchen - etwa im 18. Jahrhundert - schon weniger als eine Wehranlage, sondern als ein (städtisches) Wohnhaus angesehen und genutzt wurde.

Die vielen Kriege und Zerstörungen, denen Wittlich im 17. und 18. Jahrhundert ausgesetzt war, machen es unwahrscheinlich, dass das Türmchen oder das Stadttor am Burgberg unbeschadet die Zeiten überstanden hat. So wie der Mauerrücksprung oberhalb der zweiten Wohnebene  - gut sichtbar an der Feldseite -, die geschweifte Haube und die für einen Wehrbau zu großen rechteckigen Fenster Eingriffe in die ursprüngliche Bausubstanz ankündigen, so scheint auch die innere Aufteilung im 18. Jahrhundert weitgehend verändert worden sein.

 

 

 

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