Der Bau der Bundesautobahn

In den 60er Jahren wurde die Planung der Autobahntrasse zwischen Trier und Koblenz erneut aufgenommen. Das neue Bauvorhaben griff zunächst den Vorkriegsplan wieder auf, bei dem die ursprüngliche Trasse zu Gunsten der Römervilla nach Osten versetzt worden war. Aber 1965 wurde dem Museum der Beschluß einer Rückverlegung der Trasse mitgeteilt. Diese sollte das Nordufer der Lieser und den südöstlichen Teil des Wohnhauses überspannen, wobei die Widerlager und Pfeiler der Brücke allerdings weiter oben am Hang des Mundwaldes verankert werden sollten. In einer Stellungnahme vom Mai 1969 stimmte das Rheinische Landesmuseum Trier diesem Bauvorhaben unter folgenden Bedingungen zu:

1. Der antike Bestand darf nicht gestört werden,

2. eine Abstimmung der bauausführenden Unternehmen hat mit dem Rheinischen Landesmuseum zu erfolgen:

3. Möglichkeiten zu weiteren Untersuchungen sind dem Rheinischen Landesmuseum Trier einzuräumen.

Diese Vertragsbedingungen waren dann auch tatsächlich im Planfeststellungsbeschluss vom 24. Juli 1970 enthalten:

Durch den Autobahnneubau wird die Ruine einer ehemaligen römischen Villa berührt. Da bei den Erdarbeiten mit kulturhistorischen Funden gerechnet werden muß, ist die Straßenneubauabteilung Wittlich gehalten, in sämtlichen Ausschreibungen der Erd- und Brückenarbeiten auf mögliche vorgeschichtliche Funde hinzuweisen und die Firmen zu verpflichten, Funde dem Rheinischen Landesmuseum in Trier unverzüglich zu melden. Außerdem wird die Straßenneubauabteilung Wittlich das Rheinische Landesmuseum in Trier rechtzeitig vom Beginn der Erdbewegungen unterrichten.

Bis zur Aufnahme der Bautätigkeit im Frühjahr 1972 wurde über das Projekt Liesertalbrücke immer wieder diskutiert. Nicht zu Unrecht wurde der Bau der Autobahn in diesem sensiblen und kulturhistorisch bedeutenden Umfeld kritisch betrachtet. Für eine Freilegung und Konservierung des Herrenhauses setzt sich M.J. Mehs im Januar 1972 mit Nachdruck in einem Schreiben an den damaligen Verkehrsminister Heinrich Holkenbrink ein. Das Verkehrsministerium verwies bezüglich der Maßnahmen zur Erhaltung zunächst auf die Bedingungen im Planfeststellungsbeschluss und beruhigte: diese Anlage wird durch den Bau der Autobahn nicht unmittelbar berührt, sondern lediglich der östliche Bereich der Anlage wird von der im Zuge der Autobahn vorgesehenen Liesertalbrücke überspannt. Man habe daher das Schreiben an das Kultusministerium weitergeleitet. Dieses stellte fest, dass dem archäologisch-wissenschaftlichen Interesse durch die bereits abgeschlossenen Untersuchungen und Veröffentlichungen in ausreichendem Umfange entsprochen wurde und dass die Belassung des gegenwärtigen Zustandes unter den obwaltenden Umständen den besten Schutz der Anlage vor weiteren Zerstörungen bietet.

Im April 1972 begann man mit den Bauarbeiten vor Ort. Allerdings war der Plan für den Brückenbau erneut umgestellt worden. Aus Kostengründen hatte man sich für die allererste Version entschieden. Anstelle einer Überspannung der Gebäudereste sollten die Brückenpfeiler nun mitten im südlichen Trakt gegründet werden. Zunächst wurde das Gelände abgeholzt, dann waren für die Errichtung der Pfeiler vier Probebohrungen vorgesehen. Die anwesenden Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseum Trier dokumentieren, wie die Löcher direkt in den antiken Bestand des Südostteils gebohrt wurden. Von einem nicht berühren der Anlage konnte gar keine Rede mehr sein. Gleichgültigkeit und Ignoranz übergeordneter staatlicher Behörden unserem kulturellen Erbe gegenüber haben schließlich das Schicksal eines bedeutenden Kulturdenkmals endgültig besiegelt.

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