Stadtchronik

 

3. Jahrtausend v. Chr.:  Älteste bekannte Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit im Wittlicher Tal. 

1. Jahrhundert v. Chr.:  Vorrömische, treverische Befestigungsanlage Tempelkopf. 

2. Hälfte, 2. Jahrhundert n. Chr.:  Bau eines römischen Herrensitzes mit 140 m Länge und 28 m Tiefe entlang der Lieser; mit ihrer geschwungenen Form ist sie eine der größten Villen nördlich der Alpen. 

um 350 n. Chr.:  Zerstörung der römischen Villa durch einfallende Germanen. Das Mittelteil ist heute teilweise restauriert und wieder sichtbar. 

1. Drittel, 7. Jahrhundert:  Der Merowingerkönig Dagobert I. schenkt den Lieserfiskus mit der “villa witelira” der Trierer Kirche. Damit verbleibt Wittlich bis zur Aufhebung des Kurstaates 1794 ununterbrochen im Grundherrschaftsverband der Trierer Erzbischöfe. 

1065:  Früheste schriftliche Nennung Wittlichs mit seinem Weinanbau in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Eberhard. 

Herbst 1142:  Erste überlieferte Zerstörung des Dorfes Wittlich in der Auseinandersetzung zwischen dem Trierer Erzbischof Albero und dem Grafen Heinrich von Namur. 

um 1220:  Für Wittlich wird erstmals ein Markt erwähnt. 

8. November 1300:  Erzbischof Dieter von Nassau bestätigt in einem Freiheitsbrief die Rechte und Freiheiten des jetzt Stadt gewordenen Dorfes Wittlich und ihrer Bürger. 

1306:  Beginn des Stadtmauerbaus, der 1317 vermutlich als einfacher Mauerring vollendet ist. 

1348/1350:  Wittlich wird im Nürnberger Martyrologium als Pogromort genannt, in dem wohl alle Juden Opfer der blutigen Verfolgung wurden. Ihre erneute Ansiedlung erfolgte erst wieder unter Erzbischof Lothar von Metternich um 1620. Bis zur Verfolgung, Vertreibung und Ermordung ihrer Mitglieder in der Zeit des Nationalsozialismus wächst die jüdische Gemeinde in Wittlich, gemessen an der Gesamtbevölkerung der Stadt, zu einer der größten Deutschlands. 

1397:  In einer Fehde des Ritters Friedrich v. Ehrenberg mit Eb. Werner von Falkenstein wird Wittlich vollständig eingeäschert; um die Bewohner zu bewegen, am Ort zu bleiben, gewährt ihnen der Trierer Landesherr für 25 Jahre Steuerbefreiung. 

1630:  Die Pest wütet in Wittlich. Mit 145 Toten fällt ihr rund ein Fünftel der Stadtbevölkerung zum Opfer. 

1647:  Durch die Explosion der Pulvermühle wird die Stadt zu zwei Drittel zerstört. 

1689:  Im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges wird die Stadt auf Befehl des Herzogs Boufflers eingeäschert. Rund 250, schon mit Schiefer gedeckte Häuser, gehen in Flammen auf. 

1707:  Ein erneuter Stadtbrand macht den Neubau der Pfarrkirche notwendig, die am 7. Mai 1727 feierlich eingeweiht wurde. 

1762:  Baubeginn für Schloss Philippsfreude als Ersatz der zwischen 1402 und 1424 errichteten Burg Ottenstein; im Zuge der Säkularisation wird das Schloss 1804 versteigert, 1806 abgerissen und an seiner Stelle ein Viehmarkt angelegt. 

1794:  Einmarsch der französischen Revolutionstruppen in Wittlich. Die Stadt verbleibt für 20 Jahre im französischen Staatsverband, bis sie 1815 preußisch wird. 

1857:  Nach ihrem Ausscheiden aus dem Bürgermeistereiverbande verleiht am 20. April 1857 Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Wittlich die Stadtrechte gemäß der Städteordnung für die Rheinprovinz vom 15. Mai 1856. 

1879/85:  Wengerohr wird über die Bahnstrecke Koblenz-Trier an das Eisenbahnnetz angebunden. 1885 wird die Bahnlinie nach Wittlich weitergeführt, 1910 nach Daun. Der Personenverkehr Wittlich-Daun wird 1981 eingestellt, nach Wengerohr am 25. September 1988. Die ehemalige Bahnstrecke ist heute Teil des überregional akzeptierten Maare-Mosel-Radweges. 

1897-1921:  Die Ansiedlung von Großunternehmen durchbricht die überwiegend agrarisch dominierte Erwerbs- und Sozialstruktur Wittlichs und wirkt beispielgebend für die spätere Wirtschaftsplanung
(1897: Wittlicher Ton- und Dampfziegelei; 1898: Weinpressenbau Merrem & Knötgen; 1913/1914: Sperrholzfabrik Kümmel & Co.; 1921: Schuhcremefabrik Ermann-Bach); zugleich bedeutet der um die Jahrhundertwende erfolgte Zuzug von Winzerfamilien der Mittelmosel nach Wittlich den Neubeginn eines qualitätsorientierten und damit konkurrenzfähigen Weinanbaues. 

1938:  Wittlich wird Garnisonsstadt mit einer Infanterie- und einer Panzerjäger-Kaserne. Nach Kriegsende werden die Gebäude zur Stationierung von zwei französischen Bataillonen benutzt; im Zuge der allgemeinen Truppenreduzierung verlässt im Sommer 1993 das Artilleriebataillon 51 mit 1.500 Soldaten und ihren Familien Wittlich. Das 8. Jägerbataillon “Sidi Brahim” (die “Blauen Jäger”) mit rund 2.000 Soldaten und Familienangehörigen verbleibt bis 1999 als Teil des Euro-Corps am Standort, bis auch sie Wittlich verlassen. 

1944/45:  Der Bombenkrieg hatte in Wittlich rund 30 Prozent aller Wohnungen entweder gänzlich zerstört oder nur noch bedingt nutzbar gemacht. Ihm fielen knapp 70 Wittlicher zum Opfer wie auch 34 Kriegsgefangene ihr Leben lassen mussten. Zu diesen Toten müssen auch die 322 gefallenen Soldaten gezählt werden und die mindestens 86 in den Konzentrationslagern der Nazis ermordeten Wittlicher Juden. 

1950:  Als Ausdruck eines sich wieder formierenden städtischen Selbstwertgefühls wird von Bürgermeister Matthias Joseph Mehs die Säubrennerkirmes ins Leben gerufen. Wurden anfangs noch zwei Zweizentnerschweine auf dem Spieß geröstet, hat sich ihre Zahl heute auf über Hundert erhöht. Die Säubrennerkirmes ist das Fest der Wittlicher und die Attraktion für jährlich etwa hunderttausend Besucher. 

1969:  Eingemeindung der früher selbstständigen Gemeinden Bombogen, Dorf, Lüxem, Neuerburg und Wengerohr. Die erweiterte Stadt hat jetzt 14.456 Einwohner und 4.131 Arbeitsplätze. 

1970/75:  Mit der Fertigstellung der A 48 von Koblenz nach Wittlich 1970 und nach Trier 1975 ist die entscheidende Weichenstellung für die Stadt in Richtung eines industriell attraktiven und prosperierenden Wirtschaftszentrums zwischen Koblenz und Trier erfolgt. Der Bau der von Belgien kommenden A 60 bis zum Anschluss an die A 1/ A 48 bei Wittlich, sowie ihre Weiterführung über die B 50 neu in Richtung Rhein-Main-Gebiet eröffnet für Wittlich gänzlich neue Perspektiven hinsichtlich eines verbesserten Verkehrsanschlusses zu bedeutenden wirtschaftlichen Ballungsräumen. 

1993/94:  Die so genannte “Südtangente” (heute: Gerberstraße), eine wichtige innerstädtische Umgehungsstraße, wird dem Verkehr übergeben.

1994:  Der Rheinland-Pfalz-Tag findet in Wittlich statt. 

2004:  Weltbekannte Firmen entscheiden sich für Wittlich als zukunftsträchtigen Industriestandort. Ideal Standard (1964), Franklin Electric (1965), Dunlop (1971) und Dr. Oetker (1980), wobei letztere 2003 den Firmennamen sogar in “Dr. Oetker Tiefkühlprodukte GmbH Wittlich” umbenannte.
Die Stadt Wittlich verfügt bei knapp über 19.000 Einwohner über zirka 14.500 Arbeitsstellen für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Selbstständige und Beamte mitgerechnet liegt die Arbeitsplatzzahl bei über 16.000, was einer Arbeitsplatzdichte von etwa 780 Arbeitsplätzen je Tausend Einwohner entspricht.
Die Stadt erwirbt vom Bund das Kasernengelände. Nach Abriss sowohl der militärischen als auch des größten Teils der zivilgenutzten Gebäude entsteht hier ein neuer Stadtteil mit überwiegender Wohnbebauung. 

Dr. Klaus Petry, Wittlich

 

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