Kulturkonzept

Vorwort

Der Auftrag

Warum eine Fortschreibung des Wittlicher Kulturkonzeptes?

Kultur ist die Basis jeder Form von Bildung und gesellschaftlichem Zusammenleben, Kulturförderung aber dennoch immer noch nur eine sogenannte „freiwillige“ Aufgabe einer Kommune. Hieraus resultieren verschiedene Verantwortlichkeiten an die Politik: inhaltlicher und finanzieller Art. Themen der Kulturpolitik sind Querschnittsthemen, die sich in Bildungs-, Wirtschafts-, Sozial-, Jugend- und Standortpolitik, Tourismus und Umwelt wiederfinden, Stadtentwicklung und damit Stadtplanung berühren. Ein zukunftsorientiertes Kulturkonzept soll kulturpolitische Leitlinien (inhaltliche wie finanzielle) herausarbeiten, Maßnahmen festsetzen und fortschreiben. Es gibt eine aktuelle Standortbeschreibung, hat eine Schnittstelle zum Innenstadtentwicklungskonzept und legt Schwerpunkte fest. Es soll Potentiale aufzeigen, sichern und stärken sowie vernetzend wirken.

Die vorliegende Arbeit ist der 1.Teil eines gewollten und andauernden Beteiligungsprozesses von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Wittlich, von Kulturschaffenden und Kulturtreibenden, von gewählten ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern in den politischen Gremien, wie Kulturausschuss und Stadtrat, und der Verwaltung der Stadt. In zwei bisherigen Workshop-Sitzungen (Kulturforum - Worldcafé am 29.3.2011, Veröffentlichung des Kulturkonzeptes ab Dezember 2011 im Internet, Präsentation am 28.3.2012 in der Synagoge), in Beratungen des Kulturausschusses, seines Arbeitskreises und auf einer Online-Plattform (ab Dez. 2011) diskutierten unter reger Beteiligung durchaus auch kontrovers Kulturinteressierte, Fachkräfte und Kulturschaffende Stärken, Schwächen und Entwicklungspotentiale in der Stadt. Diese Ergebnisse spiegeln sich in den jeweiligen Abschnitten der Arbeit wider. Unter Federführung des Kulturamtes wurden wesentliche Aspekte der kulturellen Tätigkeiten erfasst, erste Maßnahmen projektiert und schon umgesetzt. Weitere werden geplant und in ihrer Gesamtheit kontinuierlich zur Diskussion gestellt. Kulturpolitik in Wittlich wird auch zukünftig unter aktiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger fortgeführt.

In der Sitzung des Kulturausschusses vom 3.Mai 2012 wurde beschlossen, dass eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Ausschusses das vorgelegte Kulturkonzept überarbeitet. Herr Rudolf Bollonia, Frau Petra Hoffmann-Linden, Herr Horst Kirsch, Herr Albert Klein, Herr Dr. Klaus Petry, Frau Michaele Schneider und Herr Siddek Simsek übernahmen dieses Amt und fanden sich am 26.7., 9.8., 2.10. und am 26.10.2012 mit Kulturamtsleiterin Elke Scheid im Alten Rathaus zu Arbeitssitzungen ein.

1. Präambel

Die Kreisstadt Wittlich verfügt über ein breites kulturelles Angebot. Aufgabe dieses Konzeptes ist es, für den Zeitraum bis 2020 aufzuzeigen, welche Optimierungen seitens der Stadt Wittlich entwickelt werden sollen, um eine der Bevölkerung und den vielen Kulturschaffenden entsprechende Kulturtätigkeit zu schaffen, die von allen Einwohnern getragen wird und deren Interessen entgegenkommt. Dabei ist der demographische Wandel, der sich für die nächsten Jahrzehnte in Deutschland ankündigt, ebenso zu berücksichtigen, wie Wittlichs Funktion als Mittelzentrum mit einem großen Einzugsgebiet und der Zusammenarbeit mit den Kommunen der Großregion und deren kulturellen Einrichtungen. In einer globalisierten Welt sind die Weitsicht über eigene Strukturen und die eigene Geschichte hinaus ebenso wichtig wie die Kooperation mit Einrichtungen anderer Kommunen. Es gilt, individuelle Stärken zu erkennen und im Kontext mit den Nachbarn zu fördern.

Wittlich ist eine alte Stadt mit Traditionen, zwischen Mosel und Eifel gelegen. Seit Jahrhunderten sind hier urbane Strukturen nachzuweisen. Ein starkes Bürgertum existiert seit 1.000 Jahren neben landwirtschaftlichem Leben; Wittlich war immer schon Handelszentrum und versorgte das Umland mit Waren und Wissen. Ein lebendiges kulturelles Leben entwickelte sich durch die gemischte Population, bereits im Mittelalter siedelten sich Juden frühzeitig an. Dieses kulturelle Leben war einerseits von Traditionen geprägt, andererseits offen für Neues und interessiert am Weltgeschehen. Exemplarisch sei hier die Gründung der Casino-Gesellschaft zu Beginn des 19.Jahrhunderts erwähnt, die sich zur Aufgabe machte, freien Bürgern einen freien Gedankenaustausch zu gewähren. Auch die ehemalige deutsch-französische Gesellschaft ist Dokument einer regen Kommunikation, der Neugierde auf andere Kulturen sowie der Toleranz; Merkmale, die für urbanes Leben stehen.

Gleichzeitig war Wittlich seit der Römerzeit Sitz der Oberschicht. Die römische Villa zeugt als eine der größten privaten römischen Gutsanlagen nördlich der Alpen von den Ursprüngen - sieht man von der keltischen Fliehburg auf dem Tempelkopf, über dessen Stellung innerhalb der vorrömischen Population keine Gewissheiten vorliegen, einmal ab - der Bedeutung Wittlichs in der Region. Mit der Burg Ottenstein und Schloss Philippsfreude existierten große kurfürstliche Wohnanlagen. Von Schloss Philippsfreude ist eine außerordentliche Ausstattung von hohem künstlerischem Niveau nachgewiesen. Bedeutende Klosteranlagen, der Kirchenbau und viele Kapellen und Wegkreuze, die besonders attraktive und architekturhistorisch hoch interessante Synagoge, sowie in neuerer Zeit drei Moscheen stehen für die religiöse Bedeutung der Stadt.

Dank entsprechender finanzieller Potenz errichtete das Bürgertum städtische Wohnhäuser von großer Eleganz und schuf sich einen Marktplatz mit einem Rathaus, der urbane Prosperität vermittelt, die für eine Kleinstadt von damals 2.000 und heute knapp 20.000 Einwohnern einzigartig war und ist.

Hervorzuheben sind die vielen Fenster des bedeutenden Glaskünstlers der 20.Jahrhunderts, Georg Meistermann, die in Wittlich in öffentlichen Gebäuden installiert sind. Aufgrund bestimmter Umstände und persönlicher Kontakte der ehemaligen Bürgermeister Mehs und Hagedorn vermachte die Familie Meistermann einen großen Teil des Nachlasses, vor allem die Entwürfe der Glasfenster, der Stiftung Stadt Wittlich, die somit Besitzerin einer bedeutenden Meistermannsammlung ist.

Mit dem Bevölkerungsrückgang in Deutschland, der Inversion der Alterspyramide und dem Zuwuchs an Mitbürgern mit Migrationshintergrund wird sich die Einwohnerschaft Wittlichs ebenso ändern wie in Gesamtdeutschland. Die Bevölkerungszahlen für Wittlich werden als Mittelzentrum mit außerordentlich vielen Arbeitsplätzen (2011 = 19.000 Einwohner und 17.000 Arbeitsplätze), Standort dreier kommunaler Verwaltungen, zahlreicher Schulen und Bildungseinrichtungen, sowie vielen attraktiven weichen Standortfaktoren für die nächsten 40 Jahre stabil bleiben bzw. leicht ansteigen, während im Umland mit einem Bevölkerungsrückgang zu rechnen ist. Steigen wird der Anteil der Bürger mit Migrationshintergrund von derzeit 9% auf 20% im Jahre 2020 (s. "Konzept zur Entwicklung der Stadtbücherei Wittlich", 2008, S.6 ff[1]).  Steigen wird auch das Durchschnittsalter von 42,4 Jahren (2009) auf 46 Jahre im Jahre 2030 (s.Schmitt, Andreas: „Demografische Entwicklung der Stadt Wittlich“, Januar 2012). Wittlich wird älter und bunter, aber nicht weniger werden, wie ein bekannter Buchtitel den demographischen Wandel umschreibt ("Älter, bunter, weniger"[2]).

 

2. Struktur der Bürger/innenbeteiligung (bisher und zukünftig)

Eine erste öffentliche Diskussion erfolgte in Form eines World-Cafés am 29.März 2011 in der Synagoge. Darauf erstellte die ab 1.Juli 2011 in das Kulturamt versetzte Leiterin der Stadtbücherei Wittlich einen Entwurf zu einem Kulturkonzept, welcher im Dezember 2012 mittels des Internets der Bevölkerung zur Kenntnis gegeben wurde. Sowohl auf der Homepage als auch in der Presse wurde ausdrücklich um Anregungen und Kritik seitens der Bürgerschaft gebeten.

Die Ergebnisse wurden in den Entwurf des Konzeptes eingearbeitet und in einer PowerPointPräsentation am 28.März 2012 in der Synagoge der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Anschluss fand wiederum ein World-Café statt, so dass jeder die Möglichkeit hatte, seine Positionen einzubringen.

In der Sitzung des Kulturausschusses vom 3.Mai 2012 wurde die Gründung einer Arbeitsgruppe beschlossen, die den Entwurf des Kulturkonzeptes überarbeiten soll. Bürgerbeteiligung soll perspektivisch kontinuierlich und jederzeit über die neue Homepage des Kulturamtes mit interaktiven Möglichkeiten gegeben sein. Bürgerversammlungen sind zusätzlich möglich.

3. Kulturelle Infrastruktur – eine Istanalyse/Bestandsaufnahme

3.1 Kultur-Räume in städtischer Verantwortung
3.1.1.Altes Rathaus und 3.1.2.Städtische Galerie für Moderne Kunst

Das Alte Rathaus wird seit dem Auszug der Stadtverwaltung in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts als Ausstellungsraum genutzt. Zwischen 1994 und 2010 trug es den Namen „Georg-Meistermann-Museum“. Seitdem heißt es „Städtische Galerie im Alten Rathaus“. Im Erdgeschoss befand sich bis 2010 eine Dauerausstellung, die dem Künstler Georg Meistermann gewidmet war. Im Herbst 2012 wurde diese Ausstellung neu konzipiert und fand dort erneut ihren Platz.

Im ersten Stock stehen sechs Räume für Wechselausstellungen zur Verfügung. Im Jahr finden dort mindestens zwei Ausstellungen statt. Möglich sind theoretisch alle Kunstgattungen und –ausrichtungen, jedoch geben die eher kleinen Räume gewisse Grenzen vor.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge

Attraktiver Renaissancebau mit geschmackvoller Erweiterung

Kleingliedrigkeit der Raumstruktur, fehlender Aufzug, Technik und SanitärRestaurierung und technische Auftrüstung

 

 

3.1.3. Synagoge

Die Kultur- und Tagungsstätte Synagoge wurde 1910 von der jüdischen Gemeinde Wittlichs als Gotteshaus errichtet. Sie wurde 1938 geschändet und von den Nationalsozialisten missbraucht. In den 70er Jahren des 20.Jahrhunderts wurde sie restauriert und wird seitdem nicht mehr als Gotteshaus sondern als Kultur- und Tagungsstätte genutzt.

In der Synagoge werden seit dem Ende der Jubiläumsausstellung 2010 keine Ausstellungen mehr präsentiert. Ausnahmen sind Präsentationen, die im Kontext zu dem Gebäude, zu dort stattfindenden Konzerten und der jüdischen Geschichte stehen. Die Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Wittlich“ wurde 1992 entwickelt und müsste überarbeitet werden. Dies soll fachgerecht von den Mitarbeitern des Emil-Frank-Instituts entwickelt und durchgeführt werden. Die Finanzierung wäre zu klären.

 

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Ästhetisches und kulturhistorisch wertvolles Gebäude; 2010 aufwendig restauriertAufgrund der früheren Widmung eingeschränkte Nutzung, keine Bühnentechnik-

3.1.4.Stadtbücherei

1992 erbauter Neubau des Landkreises Bernkastel-Wittlich, an dessen Baukosten sich die Stadt Wittlich mit DM 3.200.000 beteiligte und somit das Recht auf Überlassung der Räumlichkeiten (1.300 qm) für die Stadtbücherei Wittlich erwarb. (s.4.2.2 und „Konzept zur Entwicklung der Stadtbücherei Wittlich …“)

3.1.5.Öffentlicher Raum - Parks und Plätze

Großer zentraler Stadtpark mit 4 Hektar Fläche in Form eines Landschaftsparkes. Wird als Ausstellungsfläche für Skulpturen und die jährliche Ausstellung „Kunst an Hecken und Zäunen“ genutzt. Die bislang eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit aufgrund des hier ausgewiesenen Wasserschutzgebietes wird sich durch die Erschließung anderer Brunnen ändern (s. Innenstadtentwicklungskonzept S. 114 und 128).

Weitere Plätze in zentraler Lage sind der „Platz an der Lieser“, der „Schlossplatz“ und der „Pariser Platz“, um die größeren namentlich zu erwähnen, sowie weitere öffentliche Plätze.

3.1.6. Baukultur – Denkmäler

Hier: Auflistung aller entsprechenden Bauten, die zunächst ermittelt und fachgerecht beurteilt und aktuell beschrieben werden müssen. Dieser Punkt wird in der nächsten Aktualisierung ausführlicher behandelt werden


3.1.7.Friedhöfe

s. Punkt 3.1.6

 

3.1.8. weitere öffentliche Gebäude

Haus der Jugend
Bürgerhäuser in den Stadtteilen
Haus der Vereine
Türmchen (Nutzung noch nicht definiert)
Innenstadt

Der Stadt fehlte bislang ein großer Raum für Veranstaltungen. Die Synagoge fasst maximal 230 Personen, das Atrium des Cusanus-Gymnasiums 600. Die übrigen permanenten Räume sind kleiner.

Durch den Bau der Großsporthalle mit dem Namen Eventum im Brautweg (Fertigstellung Februar 2013) wird dem Raumbedarf der Stadt für größere Veranstaltungen in Abstimmung mit den Interessen von Schul- und Vereinssport Rechnung getragen werden.

Eine "Kunsthalle" (= Arbeitstitel) mit Ausstellungsmöglichkeiten für lokale Künstler, Kunsthandwerk und Sammlungen ist sehr wünschenswert für die Stadt.

 

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Diverse Räume unterschiedlicher Qualität für Veranstaltungen bis 200 PersonenMangel an größeren RäumenNutzungsmöglichkeit der Mehrzweckhalle ist abzuwarten

 

 

 

3.2. Kulturamt

Das Kulturamt ist im 2.OG des Alten Rathauses untergebracht.

3.2.1. Aufgaben und personelle Ressourcen
Das Kulturamt organisiert kulturelle Veranstaltungen unterschiedlichster Art und versucht die Veranstaltungsarbeit in der Stadt Wittlich zu koordinieren. Zu den Aufgaben gehören die Ausstellungsarbeit in der Städtischen Galerie, die Unterhaltung der Kultur- und Tagungsstätte Synagoge und der Denkmäler, Durchführung und Unterstützung von Veranstaltungen des Brauchtums, Förderung der Geschichtsforschung, Pflege der Kunstsammlungen und Herausgabe entsprechender Literatur.

Es existieren Planstellen für eine Leitung mit 50% der Gesamtstundenanzahl, zwei Verwaltungskräfte mit je 100% und diverse Teilzeitkräfte und Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zur Aufsicht im Alten Rathaus und der Synagoge. Jährlich werden ausreichende Gelder in das Budget eingestellt, mit denen Kunsthistoriker o.a. Fachkräfte für Kuratoren- und andere Fachleistungen bezahlt werden können.

3.2.2.Schnittstellen zu anderen Fachbereichen der Verwaltung

Das Kulturamt ist derzeit im Fachbereich III der Stadtverwaltung angesiedelt. Enge Zusammenarbeit ist ständig mit den Abteilungen Stadtmarketing/Wirtschaftsförderung, der Stadtbücherei, dem Emil-Frank-Institut und den Bildungseinrichtungen (Schulen und Kindertagesstätten) gegeben. Sehr enge und direkte Zusammenarbeit mit der Verwaltungsspitze. Die beiden Verwaltungskräfte übernehmen viele Arbeiten innerhalb des FB III wie z.B. die Kirmesausrichtung.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Zentrale Unterbringung, personelle FlexibilitätGroßer Aufgabenbereich in unterschiedlichen Abteilungen, aufsichtintensives GebäudeStellenbeschreibungen aktualisieren, Gewinnung ehrenamtlicher Kräfte für Führungen und Aufsicht

3.3.1.Kultur-Räume in freier Trägerschaft (alphabetisch)

Achmedije-Moschee
Alter Bahnhof
Altstadtbuchhandlung
Atrium des Cusanus-Gymnasiusms
Aulas in anderen Schulen
Autobahnkirche St.Paul
Buchhandlung Rieping
Café am Markt
Casino
Elisabeth-Krankenhaus
ev.Kirche
Eyüp-Sultan-Moschee
Flächen im Industriegebiet für Zeltaufbauten
Galerie Bose
Hotel Lindenhof
Islamisches Kulturzentrum
Jazz-Haus
Jugendheim St.Bernhard
Kolpinghaus
Markushaus
Mehrgenerationenhaus
Pfarrkirchen St.Markus, St.Bernhard und in den Ortsteilen
usw.

Kulturelle Handlungsfelder – Istanalyse - Bestandsaufnahme

4.1. Angebote in städtischer Verantwortung

4.1.1. Museen – Ausstellungen – Geschichte

Im Erdgeschoss wurde ab dem Herbst 2012 eine neue Dauerausstellung mit Werken des Künstlers Georg Meistermann installiert . Diese wird mindestens bis in das Jahr 2016 (4jährige Leihgabe Triptychon) dort zu sehen sein. Damit sind die Räumlichkeiten ausgelastet.

Erstrebenswert ist eine stärkere Nutzung des Hauses, was durch eine perpektivische Umwidmung des Erdgeschosses gut zu erreichen wäre. Anzudenken sind mit dem Hauskonzept verträgliche Nutzungen sowie ein ansprechender Museumsshop.

Die Bedeutung Georg Meistermanns für Wittlich wird unterschiedlich gesehen. Hier muss mit viel Toleranz und Kompromissbereitschaft diskutiert werden, um Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

 

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Vorhandene Kunstobjekte wie z.B. die Fenster, sorgfältig, fachgerecht und ästhetisch kuratierte AusstellungenGemälde und Grafiken sind bereits sehr häufig präsentiert wordenWechsel der Entwürfe in regelmäßigen Abständen, um die Ausstellung abwechslungsreich zu erhalten

Im ersten Stock sollen jährlich zwei Ausstellungen gezeigt werden. Da das gesamte Haus zur Kirmes für diese genutzt werden muss, gibt es jährlich im August eine Zäsur, die Ausstellungen verhindert. Diese ist für die Arbeit im Haus schwierig und könnte durch die Nutzung einer weiteren Immobilie durch die Stadt entspannt werden.

Aussicht auf die laufenden und kommenden Ausstellungen:
Seit März des Jahres 2013 wird dem 125. Geburtstag des Trierer Malers Fritz Quant gedacht. Das städtische Museum Simeonstift hat seine Unterstützung zugesagt und Leihgaben und Wissen zur Verfügung gestellt. Wittlich gehört zu den wenigen Städten, wo noch originale Wand- und Fensterbemalungen Quants zu sehen sind (Alter Sitzungssaal, Vorraum Bürotrakt).

Im weiteren Verlauf des Jahres 2013 wird eine Ausstellung zum Thema „St. Rochus“ konzipiert werden. Es geht um die Geschichte des Schutzpatrons der Stadt, seine Darstellung in der Kunst und die Bedeutung. Die Ausstellung wird von Herrn Prof. Dr. Richard Hüttel und Frau Dr. Barbara Mikuda-Hüttel erstellt werden. Großartige Leihgaben sind durch die Kontakte des Kunsthistorikerehepaares möglich.

Zu Beginn des Jahres 2014 ist eine Ausstellung mit Fotografien von Helmut Thewalt geplant.

 

4.1.2. Kirmes, Karneval, Umzüge, Märkte…

Wittlich verfügt über eine reiche Brauchtumspflege. Im Einzelnen handelt es sich um:

- Säubrennerkirmes
- Martinszüge
- Karneval mit Sitzungen und Karnevalszügen
- Mundartabende
- Weihnachtsmarkt
- Weihnachtskonzerte
- Neujahrsempfang des Bürgermeisters und diverser Vereinigungen
- Christliche Prozessionen (z.B. Fronleichnam)
- Sternsinger
- Führungen (Stadt, römische Villa, St. Markus) auch: historische Stadtführungen
- (Wirtschafts-Woche-Wittlich, Unternehmertagung etc. die nicht direkt zum Bereich Kultur gehören)
usw.

Die meisten Veranstaltungen des Brauchtums sind etabliert und werden gut genutzt. Das größte Ereignis alljährlich stellt die Säubrennerkirmes dar. Das Volksfest existiert seit 1950 und bietet mit dem Schauspiel und dem Festzug malerische Höhepunkte. Mit dem Treffen der 50jährigen feiert Wittlich ein deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal von höchster Attraktivität. Durch den etwas abseits gelegenen Rummelplatz wird die Attraktivität des Festes in der Altstadt nicht beeinträchtigt, sondern für das entsprechende Publikum ergänzt. Die Kirmes zieht ein immenses Publikum an und erhöht die Popularität der Stadt in der Großregion. Außer den Magneten Geselligkeit und dem kulinarischen Aspekt sorgt ein ausgewogenes Musikprogramm auf zwei Bühnen für die hohe Attraktivität des Volksfestes.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Hoher Bekanntheitsgrad, sehr attraktives Volksfest?Stärkung der folkloristischen Elemente wie Umzug und Schauspiel

Martinszüge finden in Wittlich-Stadt und den Stadtteilen statt. Sie werden gut besucht und teilweise von einem Rahmenprogramm begleitet. In der Sitzung des Kulturausschusses vom 31.1.2012 wurde aufgrund negativer Vorkommnisse beschlossen, die Martinsbrezeln zukünftig nach dem Zug in den Schulen kostenlos zu verteilen. Da dieser Vorschlag auf große Kritik stieß, wurde eine Alternative erarbeitet, die 2012 erfolgreich durchgeführt wurde. Dieses neue Verfahren ist noch weiter verbesserungswürdig und zu ergänzen.

Der traditionelle Wettbewerb um die schönste von Kindern gebastelte Martinslaterne ist eingestellt worden.

 

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Alte Tradition, klassische KinderveranstaltungFehlende Kenntnisse der Tradition bei vielen Kindern. Zunahme von schlechtem Benehmen, wenig Unterstützung durch Kitas und GrundschulenSuche nach weiteren neuen Strukturen und Vermittlungen

Karneval wird in Wittlich groß und traditionell gefeiert. Einen großen Teil der Organisation und Ausführung leisten die Karnevalsvereine (Rot-Weiß, Wengerohr, Rommelsbacher Bibpailen), die z.B. die zahlreichen Kappensitzungen organisieren und durchführen. Seitens der Stadtverwaltung finden finanzielle Zuweisungen statt. Hervorzuheben ist die engagierte Nachwuchsarbeit der Vereine. Die Rathauserstürmung durch die Wittlicher Möhnen am Weiberdonnerstag wird seitens des Kulturamtes ausgerichtet. Diese Traditionsveranstaltung wird stark frequentiert und beinahe alljährlich vom SWR-Fernsehen in der Landesschau ausgestrahlt.

 

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Alte Tradition, klassische Veranstaltung für alle AltersgruppenMangelnde Unterstützung durch die Gastronomie, keine klassischen Tanzveranstaltungen mehrWiederbelegung von Kostümwettbewerben, Tanzveranstaltungen u.ä.

Der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz ist ungemeiner Konkurrenz in Trier und Bernkastel ausgesetzt und weniger attraktiv. Trotz größter Anstrengungen vom Verein Stadtmarketing fristet er ein gewisses Schattendasein. Einen ersten Schritt zur Optimierung stellte die Ergänzung um den mittelalterlichen Markt in 2011 auf dem Platz an der Lieser dar.

 

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Attraktive PlätzeHochkarätige Konkurrenz in Trier, Bernkastel u.a., nicht sehr attraktive Angebote, wenig besuchtErarbeitung eines neuen Konzeptes


Weihnachtskonzerte in der Synagoge und den Kirchen, der Neujahrsempfang des Bürgermeisters, und die Fronleichnamsprozession sind alte Traditionen, die liebevoll gepflegt werden.

 

4.1.3. Stadt – und Tourismusmarketing

Das Kulturamt arbeitet mit dem Verein Stadtmarketing e.V. eng zusammen und führt viele Veranstaltungen (z.B. „MusikSommerPark) gemeinsam mit dem Verein durch. Zur Abteilung „Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung“ im Fachbereich III der Stadtverwaltung Wittlich bestehen permanent enge Kontakte.

Das Kulturamt bemüht sich um Tourismuspflege und Mehrsprachigkeit in der Stadt und plant, Anfang 2013 eine Ersatzbeschriftung der sehenswerten historischen Gebäude in der Stadt mit QR-Codes, die u.a. zu einer virtuelle Stadtführung in mehreren Sprachen (deutsch, englisch, französisch, niederländisch, russisch und türkisch; eine sukzessive Erweiterung auf weitere Sprachen ist angedacht) auf der Homepage des Kulturamtes hinführen.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Attraktive Altstadt, hübsche Außengastronomie, gute Parkmöglichkeiten, Existenz einer AG "Innenstadt"Leerstände, wenig Vielfalt im Einzelhandel, wenig attraktive Speiserestaurants, keinerlei Anreiz für die JugendUnterstützung der Arbeit der AG Innenstadt und Stadtmarketing, offensive Bewerbung der Ausstellungen u.a. Aktivitäten des Kulturamtes

4.1.4. Gedenkarbeit, Geschichte, Denkmalpflege und –darstellung

Aufgrund der besonderen Geschichte der Stadt Wittlich mit einer großen jüdischen Population seit dem Mittelalter und den Schreckensjahren zwischen 1933 und 1945, nach denen in Wittlich keine Juden mehr lebten, engagieren sich Bürger und Stadt seit vielen Jahren im Gedenken der ehemaligen jüdischen Wittlicher. Die ehemalige Synagoge wurde zum 100jährigen Bestehen 2010 sorgfältig renoviert, und der jüdische Friedhof wird gepflegt und in der Erinnerung der Bevölkerung wach gehalten.

Hervorzuheben sind hier die Aktivitäten des Arbeitskreises „Jüdische Gemeinde“ und des Emil-Frank-Instituts. Auch die Stadt Wittlich bzw. das Kulturamt der Stadt Wittlich engagieren sich seit Jahrzehnten in der Gedenkarbeit. Zu Beginn des Jahres 2011 beschlossen das Emil-Frank-Institut, der Arbeitskreis Jüdische Gemeinde, die Stadtbücherei Wittlich und das Kulturamt gemeinsam und einvernehmlich die beiden Gedenktage „Reichspogromnacht“ (9. November) und „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ (27. Januar) alljährlich zu gestalten. Am 9. November soll vorrangig der ermordeten und vertriebenen Juden gedacht werden, während der 27. Januar breiter als der Tag aller Opfer des Nationalsozialismus betrachtet werden soll.

 

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Synagoge, jüdischer Friedhof, aktive und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen AK "Jüdische Gemeinde Wittlich", Emil-Frank-Institut und Kulturamt-Weitere Intensivierung der Jugendarbeit

Denkmalpflege

Römische Villa

Mit der römischen Villa am Rande der Stadt Wittlich verfügt die Stadt über eine der größten römischen Anlagen dieser Art nördlich der Alpen. Der Autobahnbau von 1972 hat durch einen Brückenbau direkt in der Villenanlage schwierige Bedingungen geschaffen, so dass die Villa sich einerseits in einem gewissen „Dornröschenschlaf“ befindet und sich dem Bewusstsein der Bevölkerung entfernt, und andererseits baulich gefährdet ist und gerettet werden muss.

Die Stadt Wittlich ist im letzten Jahr aktiv geworden und hat die Firma „Projekt 2508“ beauftragt, ein modulares Konzept zur Konservierung, archäologischen Erschließung und touristischen Vermarktung zu entwickeln. Diese Arbeit befindet sich kurz vor ihrem Abschluss und wartet auf Umsetzung. Auch das Innenstadtentwicklungkonzept betont die Inwertsetzung der römischen Villa (S.127).   

 

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Einzigartiges Denkmal, einer der größte römischen Gutshöfe nördlich der AlpenUnmittelbare Nähe zur Autobahn, Vandalismus, Gefahr der Abtragung durch die Lieser, geringer Bekanntheitsgrad außerhalb Wittlichs, wenig spektakuläre sichtbare BautenSicherung des Prallhangs durch Wasserbausteine, Sichtbarmachung der Ausmaße der Anlage, virtuelle Führungen und Erläuterungen hinterlegen, Bildhauersymposium für Kreisel, Autobahnparkplatz mit Skulptur von Dell'Antonio öffnen (s.u.)

Bildhauersymposium

Bereits zwei Bildhauersymposien fanden in Wittlich statt. 1989 ausschließlich im Stadtpark und 2002 in der Innenstadt. Beide Male wurden etliche Großskulpturen von verschiedenen Künstlern errichtet. Die Veranstaltungen fanden viel Beachtung und breite Unterstützung in der Bevölkerung. Die Qualität der geschaffenen Exponate stößt sehr vereinzelt nicht auf Zufriedenheit.

Nun existiert ein Vorschlag, den Verkehrskreisel nahe der römischen Villa Richtung Altrich mit einem Kunstwerk zu gestalten, das einen Bezug zur römischen Geschichte Wittlichs direkt herstellt. Ziel wäre, mehrere Bildhauer zu gewinnen, diesen Platz gemeinsam künstlerisch zum Thema „römisches Wittlich – römische Villa Wittlich“ zu gestalten. Auch im Innenstadtentwicklungskonzept wird ein Skulpturenweg von der Römischen Villa bis zur Bastenmühle angedacht (S.113).

Weitere Denkmäler

Das „Türmchen“, Teil des ehemaligen Stadttores, ist frei geworden und kann somit einer neuen Nutzung zugeführt werden. Hier existieren diverse Vorstellungen. Der Kulturausschuss muss sich des Themas annehmen und eine Nutzung festlegen.

Außer dem Kriegerdenkmal in Bombogen existieren noch etliche Denkmale, Kapellen und Wegekreuze. Diese müssen besichtigt werden, um den Zustand zu erfassen und zu erarbeiten, was zur Erhaltung dieser Dinge zu veranlassen ist.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Erhaltenswerte historische Gebäude mit teilweise reizvoller OptikKostenträchtige Unterhaltung, teilweise geringer BekanntheitsgradBegutachtung und Erfassung des Ist-Zustandes, Erarbeitung eines Konzeptes zur Pflege, Instandhaltung und ggf. Vermarktung

 

 

Vortragsarbeit

Die Vortragsarbeit in Wittlich ist reich und wie so viele Sparten der Kultur leider manchmal unorganisiert und wenig koordiniert. Schwerpunkte sind Themen der Wirtschaft (Unternehmerforum, Wirtschafts-Woche-Wittlich, Wirtschaftskreis Wittlicher Tal etc.) - soll breiter dargestellt werden - , Religion und Geschichte sowie Literatur, Pädagogik, Psychologie, Medizin und Soziologie.

Eine höchst professionelle Vortragsreihe zum weit gefassten Thema jüdische Geschichte/Judentum erarbeitet das Emil-Frank-Institut jährlich. Aber auch Pax Christi in Kombination mit der islamischen Gemeinde (DITIB) bietet regelmäßig Vorträge zum interreligiösen Dialog an. Die Stadtbücherei offeriert literarische und pädagogische Vorträge sowie Referate und Fortbildungen zur Sprach- und Leseförderung, und die Casino-Gesellschaft stellt Wittlicher, die eine bemerkenswerte Karriere machten, in einer Veranstaltungsreihe vor. Die großen Ausstellungen des Kulturamtes im Alten Rathaus werden von Vorträgen und Lesungen zu den Kunstpräsentationen umrahmt. Seitens der Stiftung Stadt Wittlich und dem Fachbereich III, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, werden im Rahmen der Wirtschaft-Woche-Wittlich (alle drei Jahre), des Unternehmerforums (alle zwei Jahre), der Verleihung der Meistermann-Preis (alle zwei Jahre) Vorträge zu Themen der Wirtschaft und Gesellschaft von hochkarätigen Referenten gehalten. Auch der Wirtschaftskreis Wittlicher Tal bietet hochinteressante Referate berühmter Persönlichkeiten an.

Nicht zu vernachlässigen seien hier auch die Arbeit der Volkshochschule Wittlich Stadt und Land, der Katholischen Erwachsenenbildung, des Mehrgenerationenhauses, der Caritas, der Kirchen, der Schulen und weiterer Einrichtungen. Seitens der Stadtverwaltung werden Bürgerversammlungen initiiert, in denen die Bürger der Stadt Wittlich über bestimmte Themen informiert werden und sich austauschen können sowie Anregungen und Wünsche und gezielte Vorstellungen und Vorschläge dem Bürgermeister und der Verwaltung unterbreiten können.

Ein neuer Schwerpunkt ist die Interkulturalität. Diverse Einrichtungen und politische Gremien engagieren sich mit teilweiser Unterstützung des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) im Bemühen um die Integration von Migranten in die Wittlicher Gesellschaft.

Vorträge werden in Wittlich gut besucht. Es existiert eine Kultur, die auch im digitalen Zeitalter Informationen noch mündlich erfahren möchte und Interesse an Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben, zeigt. Darum gilt es, diese bürgerliche Kultur zu stärken und zu erhalten.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Vielfältigkeit, hochkarätige Referenten, gute NutzungTeilweise mangelnde Absprachen und Koordination unter den VeranstalternOptimierung der Koordination, Pflege dieses Potentials

 

 

4.2 Angebote in freier Trägerschaft (Vereine und Initiativen)
4.2.1. Musik und Tanz

Musik

Die Musik ist in Wittlich ausgesprochen gut aufgestellt. Im Jahre 1993 beschloss der Stadtrat die Vereine „Wittlicher Konzerte“ (im Folgenden: Musikkreis, dessen Programm mit dem Schwerpunkt Klassiker hochrangig ist) und „Jazzclub“ jährlich mit einem gesicherten Budget auszustatten und ihnen dafür die Verantwortung zu übertragen, Klassische Musik und Jazz in mehreren Konzerten im Jahr in Wittlich professionell anzubieten. Dieses „Outsourcing“ funktioniert seit beinahe 20 Jahren hervorragend.

Außerdem existieren weitere Vereine und Chöre, die sich der Musikpflege widmen. Zu nennen sind hier:

18 unterschiedliche Chöre
Allegristas (Gitarrenensemble) u.a. Formationen der Kreismusikschule
Blasorchester Wittlich 1921
Männergesangsverein / Männerquartett
Mittel-Mosel Akkordeon-Orchester
Musikvereine in den Stadtteilen Bombogen, Lüxem und Wengerohr
Orgelfreunde St. Markus
 usw.

Das aufwendige Musikprogramm zur Kirmes stellt das Kulturamt zusammen. Es wird versucht, Konsens unter den sehr unterschiedlichen Besuchergruppen zu finden und gleichzeitig ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Vielfältigkeit, hochkarätige Künstler, gute NutzungRock & Pop eher wenig, Festivals für junge Leute fehlten bis 2012, KoordinationsproblemeStärkung der Angebote für jüngere Menschen, bessere Koordination nicht nur innerhalb Wittlich

4.2.2. Theater, Literatur, Film und Medien

Literatur

Auch die Literatur ist in Wittlich gut aufgestellt. Die Stadtbücherei Wittlich ist eine der besten Bibliotheken Deutschlands und bietet seit Jahrzehnten Lesungen und Buchpräsentationen an. Alle zwei Jahre (gerade Jahreszahl) organisiert Herr Dr. Josef Zierden das Eifel-Literatur-Festival, das seit 2006 auch Wittlich als Ausführungsstandort einbezieht. Von einer Lesung in 2006 steigerte sich Wittlichs Anteil am Festival auf sechs Lesungen in 2012. Es handelt sich um Autoren von Weltrang, die sehr viele Besucher nach Wittlich ziehen. Die deutschlandweite Werbung ist hochprofessionell.
Auch zwei Wittlicher Buchhandlungen (Altstadtbuchhandlung und die Buchhandlung Rieping) bieten Autorenlesungen und Buchpräsentationen an.

Als Gemeinschaftsaktion (Verein Stadtmarketing, Stadtbücherei, Buchhandlungen Altstadt und Rieping) findet seit 2010 im Frühsommer der „Wittlicher Buchflohmarkt“ statt. Der Markt wird von vielen privaten Anbietern genutzt und erfreut sich großer Beliebtheit.

Das Kulturamt fungiert auch als Herausgeber diverser Schriften (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Stadt Wittlich, Ausstellungskataloge, Periodikum „Säubrenner“ u.a.).

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Mehrfach ausgezeichnete Bibliothek, Eifel-Literatur-Festival, Buchflohmarkt, hohe AkzeptanzMangelnder Absatz bei manchen PublikationenBessere Kundenorientierung bez. der Buchherausgaben z.B. Stadtführer für Kinder, Geschichte der Verkehrsentwicklung., Examensarbeit von Felix Posnien über M.J. Mehs

 

 

Theater, Tanz, Musical

Das Problem der Ausrichtung dieser Kunstsparten ist vor allem der Mangel an entsprechenden Räumlichkeiten. Die Bühne in der Synagoge ist klein und verfügt über keinen Vorhang, im Atrium des Cusanus-Gymnasiums sind die Möglichkeiten sehr beschränkt und das Haus der Jugend ist nur für Kleinkunst passend.

Aus diesem Grund wurden in den letzten Jahren diese Kunstsparten nur sehr reduziert angeboten. Eine Ausnahme stellen hier die Stadtteile der Stadt Wittlich dar. In Wengerohr und Dorf existieren Theatervereine, die hoch engagiert regelmäßig Laientheatervorführungen auf die Beine stellen, die auf große Resonanz stoßen. Aufgeführt wird in den Bürgerhäusern, öffentlichen Saalbauten, die in den Stadtteilen im Gegensatz zur Innenstadt existieren und auch von Fremdveranstaltern (Eifel-Kulturtage) genutzt wurden.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Theatervereine in den Stadtteilen und im Haus der JugendMangelnde RäumlichkeitenNutzung der Mehrzweckhalle ab 2013, Aufbau eines entsprechenden Programms

 

 

Kleinkunst

Ein-Mann-Stücke, Kabarett, szenische Lesungen und weitere Kleinkunst werden vom Kulturamt, der Stadtbücherei und Veranstaltungsservice Mathar organisiert. Veranstaltungsorte sind die Synagoge, das Haus der Jugend, manchmal die Stadtbücherei und Gaststätten (Café am Markt, Hotel Lindenhof) sowie die Buchhandlung Rieping. Die Kleinkunst ist nicht schlecht in Wittlich vertreten und wird gut genutzt.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Gut aufgestellt und besuchtWiederholungen, mangelnde Absprachen unter den VeranstalternOnline-Kalender, Förderung der Kooperationen

 

 

4.2.3.Kinder- und Jugendarbeit

Für Kinder und Jugendliche engagieren sich viele Einrichtungen in Wittlich, die im „Wittlicher Jugendnetz“ koordiniert werden. Zuerst seien die Kindertagesstätten und Schulen genannt, die höchst professionelle Kulturarbeit anbieten und die Kinder frühzeitig lehren, sich mit Kunst, Musik, Literatur, Tanz und Theater auseinanderzusetzen.

Weiterführende Angebote werden von der Stadtbücherei, dem Kulturamt, der Malschule, den Chören und der Kreismusikschule sowie den Musikvereinen, den Ballettschulen und Theater-AGs gemacht. Hervorzuheben sind das Haus der Jugend und das Mehrgenerationenhaus mit dem Kinderschutzbund, aber auch die vielen Vereine und übrigen Einrichtungen, die sich um die Nachwuchsarbeit kümmern.
Angeboten werden
- Theateraufführungen (Kulturamt, Stadtbücherei, Verein Stadtmarketing)
- Konzerte (Stadtmarketing, Kreismusikschule, Musikkreis, Musikvereine)
- Mal- und Bastelwettbewerbe (Kulturamt, Kindertagesstätten)
- Ausstellungsführungen (Kulturamt)
- Bibliotheksunterricht (Stadtbücherei)
- Ferienfreizeiten und sportliche Aktivitäten (Sportvereine, Vitelliusbad)
- Theater-AG (Haus der Jugend)
- Breakdance (Haus der Jugend)
- Probemöglichkeiten für Bands (Haus der Jugend)
- Teilnahme am Jugendparlament und dessen Aktionen
- Veranstaltungen des Beirates für Integration und Migration
- Karnevalsgesellschaft Wengerohr

Für Kinder wird in Wittlich Vieles angeboten und dieses Angebot wird auch gut genutzt. Zu bemängeln ist einzig eine teilweise mangelnde Kooperation unter den Veranstaltern. Angeregt wird, die Kinder-Uni der Universität Trier auch nach Wittlich zu holen und in den Sommerferien koordinierte Mitmachaktionen diverser Veranstalter zu organisieren.

Jugendliche hingegen klagen, dass Wittlich nichts für sie biete. Ein Problem ist sicher das fehlende Kino und ggf. auch die entsprechenden Lokale. Andererseits werden Angebote auch nicht angenommen, so z.B. Konzerte explizit für Jugendliche im Haus der Jugend, entsprechende Kleinkunst, Theateraufführungen oder Lesungen oder „Monkey Jump“ in den Innenstadtkneipen. In Zusammenarbeit mit dem Haus der Jugend und dem Jugendparlament sowie weiteren Einrichtungen der Jugendarbeit müssen die Ursachen für dieses Desinteresse gefunden werden, um ziel- und ergebnisgerichtet sinnvolle Jugendkulturarbeit durchführen zu können.
Die Zusammenarbeit mit den Schulen und Lehrern ist zu optimieren. Neue Medien wie Facebook und Twitter müssen genutzt werden, um Jugendliche zu erreichen. Vor allem die 10 bis 15jährigen bekommen zu wenig in Wittlich geboten.

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Vielfältiges und differenziertes Angebot, viele Veranstalter unterschiedlicher Ausrichtungmangelnde Absprachen unter den Veranstaltern, Ansprache der JugendlichenOnline-Kalender, Förderung der Kooperationen, gezielte Jugendarbeit unter Einsatz vom WEB 2

4.2.4 Interkulturelle Kulturarbeit

Seitens der Mitbürger mit Migrationshintergrund finden bereits einige Aktivitäten im interkulturellen Bereich statt. Die katholische Kirche (Pax Christi) und DITIB (Türkisch-Islamische Union) arbeiten eng zusammen und veranstalten Vortragsreihen, jährlich lädt ein „Tag der offenen Moschee“ Nicht-Moslems zum Besuch des Gotteshauses ein. Der Verein „INTEGRA“, in dem sich hauptsächlich aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion stammende Bürgerinnen und Bürger zusammengefunden haben, ist in der Jugendarbeit sehr aktiv und organisiert Sprach- und Integrationskurse.

Seit 2010 findet zu dem internationalen Fußballturnier jährlich ein Internationales Kinderfest statt.

Gemeinsam mit den Beiräten für Migration und Integration auf Stadt- und Kreisebene sowie dem „round table“ (unter Federführung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge arbeitende Vereinigung von unterschiedlichen Institutionen in Wittlich) wird von Jahr zu Jahr umfangreicher die „Interkulturelle Woche“ in Wittlich begangen. Die Stadtbücherei und die Casino-Gesellschaft haben eine Vortragsreihe ins Leben gerufen, die Migranten die Möglichkeit gibt, ihre „alte“ Heimat ihren neuen Mitbürgern vorzustellen. Unter dem Titel „Ich bin Wittlicherin und komme aus Peru“ wurde im September 2011 der erste Vortrag im Rahmen dieser Reihe im Casino gehalten.

 

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Sehr dynamische EntwicklungGeringes allgemeines Bewusstsein ob der Änderung der Bevölkerungszusammensetzung und der damit verbunden KulturStärkere Einbindung von Wittlichern ohne Migrationshintergrund, Vorbereitung der Gesellschaft auf die großen Veränderungen innerhalb der Bewohner Wittlichs

4.2.5. Aktionen und Brauchtumspflege

- Buchflohmarkt
- Frühjahrsmarkt
- Herbstmarkt
- Hof- und Kelterfeste der Winzer
- Kino Open Air
- kommerzielle Wochen – und Monatsmärkte
- Kunst an Hecken und Zäunen
- Maifest
- Oktoberfest
- Stoffmarkt

usw.

Die Märkte (Buchfloh-, Frühjahrs-, Herbst- und Stoffmarkt sowie Wochen- und Monatsmarkt) verfügen alle über ein Entwicklungspotential, da die Altstadt von Wittlich sehr attraktiv ist und eine wunderbare Kulisse für Märkte bildet. Die Stadt könnte die Veranstalter durch ein entsprechendes Rahmenprogramm und Gebührenfreiheit animieren, ihre Angebote zu erweitern. Überhaupt ist die Wiederbelebung der Altstadt durch kulturelle Veranstaltungen zu unterstützen.

„Kunst an Hecken und Zäunen“ ist eine demokratische und tolerante Vereinigung, leidet aber unter der Freiheit, den Spagat zu bewältigen, alles vereinen zu wollen. Da der Verein für seine alljährliche Ausstellung im Stadtpark keine untere Grenze definiert, ist große Vielfalt festzuhalten. Ob der hohen Akzeptanz in den ersten Jahren der Sammelausstellung wäre es wünschenswert, wenn es dem Verein gelingen würde, erfolgreich weiterzuarbeiten, um mit seiner einzigartigen Idee auch in Zukunft überzeugen zu können. Aktuell besteht die Überlegung einer räumlichen Veränderung.

Das Straßenfest zum 1.Mai hatte in den letzten Jahren sehr mit dem Wetter zu kämpfen. Die Open-Air-Veranstaltung liegt für die Wittlicher Senke offensichtlich meteorologisch falsch. Im Gegensatz zu parallelen dörflichen Veranstaltungen fehlt in Wittlich die Traditionspflege wie z.B. die öffentliche Aufstellung des Maibaumes, so dass mit wenigen Getränke- und Essensständen sowie einem Musikprogramm für jüngere Menschen eine gewisse Beliebigkeit vorherrscht. Hier sind das Konzept und die Zielsetzung zu überprüfen.

Kino-Open-Air im Stadtpark nutzt diesen Platz als Veranstaltungsort, was aufgrund der Ausstattung und der Größe des städtischen Parks sehr positiv zu werten ist. Die Veranstaltungsreihe etabliert sich über die Jahre und sollte in jeder Weise durch die öffentliche Hand unterstützt werden, vor allem, da kein Kino mehr in Wittlich existiert.

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Kooperation vieler Veranstalter, VielfaltHoher Diskussionsbedarf, unterschiedliche AnsprücheGrundlegende Neuaufstellung des Konzeptes und Festlegung der Zuständigkeiten

 

 

Eifel-Literatur-Festival

Das Eifel-Literatur-Festival findet alle zwei Jahre (gerade Jahre) statt. Organisiert wird es privat von Herrn Dr. Josef Zierden, dem es gelang, aus dem Festival eine der renommiertesten Literaturveranstaltungen Deutschlands zu entwickeln. Seit 2006 ist Wittlich Austragungsort des Eifel-Literatur-Festivals. Von damals einer Lesung (Grönemeyer) konnte eine Steigerung zu sechs Lesungen im Jahr 2012 erreicht werden. Die Stadt und die Stiftung Stadt Wittlich beteiligen sich mit Engagement, Organisation vor Ort und mit finanzieller Unterstützung. Dafür wird die Stadtbücherei an der Auswahl der Wittlicher Lesungen beteiligt, so dass auf die individuellen Anforderungen vor Ort eingegangen wird. Die Lesungen sind eigentlich immer ausverkauft, die Presseberichterstattung ist sehr positiv und der Imagegewinn für Wittlich groß.
Das einzige Problem war der Mangel an großen Veranstaltungsräumen in Wittlich, was durch die Eröffnung des Eventums im Februar 2013 behoben sein wird.

Mosel-Musik-Festival

Für die Mosel-Musiktage gilt ein ähnliches Konzept wie für das Eifel-Literatur-Festival. Veranstaltet wird dieses hervorragende Klassikprojekt in Bernkastel-Kues von Herrn Hermann Lewen, der Wittlich als Austragungsort für einige Konzerte wählt. Das Festival ist in Rheinland-Pfalz etabliert und zieht ein großes Publikum von außerhalb an die Mosel. Es findet jährlich statt und wird von der Stadt Wittlich finanziell gefördert. Die Veranstaltungen werden vereinzelt als überflüssig empfunden.

Für beide Veranstaltungsreihen gilt:

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Hohes Niveau und große ResonanzVeranstaltungsräume in WittlichWrd ab 2013 mit der Mehrzweckhalle zu lösen sein


Sommer-Heck-Meck

Alle zwei Jahre (ungerade Jahre) findet die Veranstaltungsreihe für Kinder mit dem Namen „Sommer-Heck-Meck“ statt. Ins Leben gerufen wurde diese Reihe von der Gräfin Westerholt und wird von dieser und der Tufa (Trier) mittlerweile durchgeführt. Die Organisatorinnen versuchen in Trier und den Landkreisen Bitburg-Prüm, Daun und Bernkastel-Wittlich öffentliche und private Veranstalter zur Teilnahme am Sommer-Heck-Meck zu animieren. Zu einem bestimmten Thema wie z.B. „Gruseliges“ werden im Sommer Kinderveranstaltungen angeboten, die gemeinsam beworben werden. Bewusst werden die Sommerferien in das Konzept eingebunden, um den Kindern, die nicht verreisen, Alternativen vor Ort anbieten zu können.

 

4.5. Koordination und Öffentlichkeitsarbeit

Wittlich bietet bereits ein reiches Kulturleben, was leider nebeneinander organisiert wird. Auch die Werbung und die Öffentlichkeitsarbeit für die vielen Veranstaltungen sind unkoordiniert, willkürlich und oft laienhaft. So werden Veranstaltungen ähnlicher Art quasi parallel angeboten und schlecht beworben und anschließend beklagt man sich ob der mangelnden Akzeptanz. Teilweise existiert ein unproduktives Konkurrenzdenken anstatt kooperativer Zusammenarbeit. Die Einsicht, ein Gesamtprodukt „Kultur in Wittlich“ zu gestalten, ist nicht durchgängig klar vertreten. Gründe dafür sind in der Geschichte und in mangelnder Kommunikation zu suchen. Dieser Punkt wird von zahlreichen Bürgern beklagt.

Seitens des Kulturamtes wird ein Veranstaltungsplan für die städtischen Veranstaltungsorte und einige weitere Bühnen geführt, aber dieser ist nicht online zugängig, sondern muss angefragt werden. Ein halbjährlicher Veranstaltungskalender, in den jeder seine Veranstaltungen melden kann, wird als Broschüre gedruckt.

Die Plakatierung in Wittlich und den Ortsteilen ist zu optimieren. Überhaupt müssen die Bewohner der Ortsteile stärker zur Teilnahme der Wittlicher Kulturarbeit animiert werden.

Kommunikation

Die Zusammenarbeit unter den Kulturschaffenden muss durch grundsätzliche Gespräche, in denen Vertrauen zueinander geschaffen wird, eine Grundlage finden. Es gilt, ein Netzwerk zu schaffen, in dem gerne miteinander kommuniziert und gearbeitet wird. Seitens des Kulturamtes ist hier die Federführung und Koordination zu schaffen, um Doppelarbeiten zu vermeiden, Dienste für Vereine und andere ehrenamtliche Kulturträger zu professionalisieren und aus dem „Gegeneinander“ ein „Miteinander“ zu gestalten. Auch die Cafés in der Innenstadt sollen einbezogen werden; einheitliche Öffnungszeiten wären optimal.

Anfänge haben stattgefunden. Im Frühjahr 2011 (und 2012) fand ein „worldcafé“ in der Synagoge satt, wo alle Kulturschaffenden sich einbringen konnten. In den nächsten Jahren sind regelmäßig öffentliche Gespräche und Präsentationen mit allen Kulturschaffenden abzuhalten. Auch „Sprechstunden“ ohne vorherige Terminabsprachen mit der Kulturamtsleitung sollen ermöglicht werden.

Veranstaltungskalender

Die Homepage des Kulturamtes wird derzeit aktualisiert. Den Schwerpunkt dieser Homepage soll ein interaktiver Veranstaltungskalender darstellen, der Veranstaltungen nicht nur kultureller Art in Wittlich und dem Großgebiet abbildet und unterschiedliche Recherchemöglichkeiten als Einstieg bietet. So soll eine Suche nach Genre, Ort, Künstler, Zeit, Entfernungsradius etc. angeboten werden.

Jeder Kulturschaffende soll die Möglichkeit haben, sich in der Planungsphase seiner Veranstaltung zu informieren, ob, wann und wo ähnliche, konkurrierende oder aber ergänzende Veranstaltungen geplant sind. Eine Option zur Belegung von Terminen in bestimmten Räumen für angemeldete Veranstalter muss gegeben sein. Ebenso müssen die Veranstaltungsräume mit ihren technischen Gegebenheiten, Größe, Mietmodalitäten, Ansprechpartnern etc. dargestellt sein, so dass potentielle Veranstalter sich orientieren und informieren können.

Für den Kulturinteressierten ergibt dieser Veranstaltungskalender ein Panorama des kulturellen Angebotes seiner Umgebung. Er muss hier die Möglichkeit haben, via Verlinkung zum Anbieter zu kommen, um Plätze und Karten reservieren zu können respektive einen Ansprechpartner für Fragen zu haben. Wichtig ist die Mehrsprachigkeit, primär russisch, türkisch und polnisch.

 

5. Leitsätze der Kulturarbeit

Kulturbegriff

Kultur ist die Gesamtheit der unverwechselbaren geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Eigenschaften, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnet, und umfasst über Kunst und Literatur hinaus auch Lebensformen, Formen des Zusammenlebens, Wertesysteme, Traditionen und Überzeugungen (Unesco-Kulturbegriff - UNESCO-Weltkonferenz über Kulturpolitik, Mexico City 1982, Auszug aus der Erklärung)

5.2. Kunst und Kultur in Wittlich

Kunst und Kultur in Wittlich ist offen/erreichbar für alle Menschen – alters-, kultur- und geschlechtersensibel, dynamisch, vielfältig, aber nicht beliebig.

Der Stadtrat, seine Ausschüsse und die Verwaltung (Kulturamt) schaffen Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur in einem stetigen und offenen Dialog mit den Kulturschaffenden und den Wittlicher Bürgerinnen und Bürgern.

Ziele sind
- die Erarbeitung eines gemeinsamen Qualitätsverständnisses – einer eigenen Identität
- die Initiierung neuer Angebote, neuer  „Orte der kulturellen Begegnung“
- die Sicherstellung von Kontinuität und damit verbunden die Förderung bestehender Angebote/Institutionen/Initiativen
- die Förderung auch der heimischen Kunst- und Kulturschaffenden
- der Abbau von Defiziten inhaltlicher und struktureller Art
-  die gezielte Öffentlichkeitsarbeit für einen überregionalen Bekanntheitsgrad sowie –
- die Schaffung von „Mehrwert" (bei neuen Projekten)


6. Schwerpunkte der Kulturarbeit

6.2. Aktivierung von Bürger-/innen zur Beteiligung an der gesamten Kulturarbeit, z.B. im Ehrenamt

6.3. Verbesserung der Infrastruktur (räumlich, bau- und kommunikationstechnisch) im „Alten Rathaus“ einschl. Kulturamt. Das Alte Rathaus entspricht nicht den technischen Anforderungen, die an ein modernes Museum gestellt werden. Somit sind Leihgaben aus anderen Häusern oft nicht zu verwirklichen. Das Haus muss in Teilen renoviert und überholt werden. Im Einzelnen sind hier zu nennen:

- Beleuchtungsanlage in den Ausstellungsräumen (jeder Punkt im Raum muss in unterschiedlicher Stärke zu beleuchten sein)
- Elektrifizierung der Ausstellungsräume (bislang existiert in jedem Raum neben der Heizung nur eine einzige Steckdose, so dass Vitrinen im Raum nicht zu beleuchten sind)
- Renovierung der Toilettenanlage
- Schaffung von Stauraum in den Büro- und Nebenräumen
- Erneuerung der Fenster in den Büroräumen
- Ankauf des Nachbarhauses in der Neustraße und Errichtung eines Außenaufzuges
- Garantie der nachweisbaren stabilen klimatischen Verhältnisse und deren Dokumentation
- VdS-zertifizierte Sicherheitsanlage

Sonstige Nutzung des Alten Rathauses

Das Alte Rathaus wird nicht nur für Ausstellungen genutzt. Das Standesamt nutzt den Großen Sitzungssaal für Trauungen; im Foyer werden Eintrittskarten für diverse Veranstaltungen und Kataloge verkauft. Ausschuss- und andere Sitzungen sowie Veranstaltungen finden im Großen Sitzungssaal statt. Diese Mehrfachnutzungen hindern sich teilweise (Ausstellungsaufbau und Trauungen) und sind arbeits- und kostenaufwendig (Ändern der Bestuhlung im Sitzungssaal).

Ein weiterer repräsentativer Raum für Veranstaltungen fehlt in der Stadt Wittlich.

Die Öffnungszeiten wurden inzwischen aktualisiert und die Erhebung von Eintrittsgeldern ist seit dem 1.Januar 2013 in moderater Höhe eingeführt worden.

6.4. Definition der Sammlungen der Stadt
Fundus / Sammlungen

Die Stadt und die Stiftung Stadt Wittlich besitzen Kunstwerke und –gegenstände in größerer Anzahl. Dabei handelt es sich um Bilder, Skulpturen, Möbel und Kunsthandwerk. Die Urkunden und historischen Dokumente der Stadt lagern im Landeshauptarchiv in Koblenz und im Kreisarchiv Bernkastel-Wittlich. Die Errichtung eines zusätzlichen Stadtarchivs ist aufgrund hoher Kosten und nicht vorhandener Problematik und Lösungsmöglichkeit keine aktuelle Aufgabe der Stadt.

Im Einzelnen sind aufzuzeigen:
- Gemälde und Entwürfe sowie zahlreiche Glasfenster Georg Meistermanns
- Gemälde von Künstlern mit Lokalbezug wie Terwei, Thomas, Scherl u.ä.
- die Sammlung Möhl mit Gemälden und Zeichnungen sowie Möbeln und historischen Gebrauchsgegenständen wie z.B. Porzellan, Kerzenhalter usw.
- Gemälde zeitgenössischer Künstler
- Fotografien (Thewalt u.a. im Stadthaus)
- Werke früherer Ausstellungen
- Skulpturen, Kleinplastiken und Brunnen in der Stadt, dem Stadtpark und der Stadtverwaltung

Derzeit werden folgende Tätigkeiten bearbeitet:
- Fachgerechte Erfassung aller Kunstgegenstände, auch der Skulpturen im Außenbereich, mit einer speziellen Museumssoftware und Taxierung durch eine(n) Kunsthistoriker(in) mit Erfahrung im Kunsthandel
- Definition der Sammlungen der Stadt Wittlich und der Stiftung Stadt Wittlich und deren Ziele
- Verkauf von für den Besitz der Stadt nicht sinnvollen Kunstgegenständen
- Schaffung eines Depots zur sicheren Lagerung erhaltens- und behaltenswerter Gegenstände
- Permanente Fortführung dieses Inventars
- Je nach Definition und Zielrichtung der Sammlung Ankauf für die jeweilige Komplettierung (z.B. Scheuritzel, Blum)
- Vernetzung mit den Museen und Ausstellungshäusern der Region, gemeinsame Werbemaßnahmen und Absprachen

 

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Vorhandene KunstobjekteWeder sachgemäß erfasst noch taxiertOrdnungsgemäße Katalogisierung und Taxierung, Definition der Sammlungen und entsprechende Ausrichtung und Pflege

6.5. Definition der „Galerie“ im Alten Rathaus

Ausgehend vom künstlerischen Schaffen Georg Meistermanns, Wegbereiter der Moderne, soll das „Kunstmuseum Wittlich“ akzentuiert und profiliert Raum geben für Kunst im Aufbruch, gesellschaftskritisch und auf Neues ausgerichtet.

Ressource/StärkeSchwächeVorschläge
Abgeschlossene EtageKleinräumigkeit, kein AufzugAngepasste Ausstellungen


6.6. Nutzung der „Alten Posthalterei“

Es fehlen Räume für Ausstellungen der vielen Künstler(innen) und Sammler(innen) der Stadt und der Umgebung. Hierfür wäre eine städtische Kunsthalle (evt. Alte Posthalterei) vonnöten, die ein Forum der künstlerischen Aktivitäten und des Potentials sein könnte. Innerhalb gewisser Grenzen müssten wechselnde Ausstellungen in größerer Anzahl (6-8/anno) präsentiert werden.

6.7. Aufgaben-/Leistungsbeschreibung des Kulturamtes

Das Kulturamt ist seit knapp 10 Jahren dem FB III innerhalb der Stadtverwaltung zugeordnet. Zuvor war es wie die Stadtbücherei eine eigenständige, direkt dem Bürgermeister unterstellte Einrichtung. Im Fachbereich III sind auch die Stadtbücherei, Stadtmarketing, die Kirmes- und Wirtschaftswochenorganisation und der Forst angesiedelt. Andere Konstellationen, die Kultur und Bildung stärker bündeln, sind möglich.

7. Förderung der Stadt und der Stiftung der Stadt

Finanzierung
Die Stadt Wittlich finanziert die Kulturarbeit in Wittlich derzeit (Zahlen: Haushalt 2011) mit rund € 479.500 (Personal- und Sachkosten sowie Unterhaltung der Häuser Altes Rathaus und Synagoge). Ein großer Teil der Sachkosten setzt sich aus Beträgen zusammen, die als städtische Fördermittel zur Unterstützung kultureller Arbeit weitergeleitet werden. So erhalten die Musikvereine € 7.400, die Kreismusikschule € 17.000, die Volkshochschule Wittlich Stadt und Land € 22.000. Für die Arbeiten, die der Jazzclub, der Musikkreis und die Wittlicher Kulturtage für die städtische Kulturarbeit leisten, werden € 39.000 investiert, Brauchtumsveranstaltungen wie Karneval und St.Martin sind aufgrund der Reinigungskosten und Ordnungsdienste auch für die Stadt teuer. Obwohl die inhaltliche Organisation seitens der Vereine (Karneval u.s.) erfolgt, entstehen für die Stadt noch Kosten in Höhe von € 55.000. Für die Pflege der Städtepartnerschaften stehen € 8.500 im Haushalt, für Theater und Kleinkunstveranstaltungen € 16.000, für die Denkmalpflege je nach Aufwand und Auftrag völlig unterschiedliche Beträge, die vom Kulturausschuss festgelegt werden. Der Betrieb der beiden Häuser Altes Rathaus und Synagoge schlägt mit Ausstellungskosten, Versicherungen und Hauskosten mit € 122.000 zu Buche.

Die Summe, die die Stadt Wittlich in die Kulturarbeit investiert, ist im Vergleich mit Städten ähnlicher Größenordnung beachtlich. Zu bedenken ist, dass zu den städtischen Mitteln in der Regel auch noch Gelder der Stiftung Stadt Wittlich zur Förderung kultureller Projekte fließen. Aufgrund der finanziellen Situation der Kommunen in Deutschland allgemein und in Wittlich speziell ist eine Erhöhung der Kosten für freiwillige Aufgaben derzeit schwer denkbar. Ein Grund, Kultursponsoring in Form von Geldern (z.B. ortsansässige Firmen) oder kostenneutralen Leistungen (z.B. Beteiligung von Musikvereinen an öffentlichen Veranstaltungen) einzufordern.

Wichtig ist ein klares Bekenntnis aller Verantwortlichen zur weiteren kontinuierlichen Förderung der Kulturarbeit in angemessener finanzieller Höhe und ideeller Unterstützung. Notwendig ist eine permanente inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Kulturarbeit.


8. Umsetzung

Die Umsetzung der Lösungsmöglichkeiten kann nur sukzessive erfolgen. Die politischen Gremien sind entsprechend zu beteiligen und die finanziellen Möglichkeiten mit der Kämmerei und den Verantwortungsträgern immer wieder zu klären. Auch die übrigen Kulturschaffenden und die Bevölkerung sollten in dieses Kulturkonzept involviert werden, was durch eine öffentliche Präsentation vorbereitet werden wird.

Planung der Umsetzung:

Kurzfristige Ziele  bis 2013


2013

1 - Eröffnung der Ausstellung „125 Jahre Fritz Quant“

2 - Beginn der Großveranstaltungen in der neuen Veranstaltungshalle

3 – Schaffung eines fachgerechten Kunstdepots, Verkauf von nicht sinnvoll zu sammelnden Kunstgegenständen und Entscheidung über Ankäufe und die Zukunft sowie Definition der Sammlungen der Stadt Wittlich und der Stiftung Stadt Wittlich

4 - Technische Erneuerung des Alten Rathauses

5 - Wittlicher Kulturtage 2013   

6 - 20 Jahre Jazzclub und 20 Jahre Musikkreis

7 - Weitere Ausstellung im Herbst (St. Rochus und die Pest)

8 – Erfassung des Zustandes der Wegekreuze, Kapellen, Denkmäler etc., Aufstellung eines Pflegeplanes und Erstellung eines Konzeptes zur touristischen Vermarktung (Kapellenwanderung etc.)

9 – Änderung des Stellenplans im Alten Rathaus und der Synagoge

10 – Bezug der Kunsthalle in den zu schaffenden Räumen

11 – Herausgabe des Buches von Felix Posnien über Matthias Joseph Mehs (ggf. auch erst später. Frage der Finanzierung)

12 – Online-Stellung der neuen Homepage

13 – Verabschiedung des Kulturkonzeptes

14 - Überarbeitung des „Wittlicher Wörterbuches“ von Georg Fischer in ein zweisprachiges Wörterbuch mit Hörbeispielen. Des Weiteren wird eine Plattform zur Mundart im Internet angeregt

15. – Ergänzung und Erneuerung der gestohlenen Beschriftungen historischer Bauwerke mit Hinterlegung weiterführender Texte und Übersetzungen über QR-Codes.

Mittelfristige Ziele 2014 bis 2020

2014

1 - Überarbeitung der Ausstellung „Jüdisches Leben in Wittlich“ in der Synagoge

2 – Ausstellung Fotografien Helmut Thewalt

3 – Beginn des Betriebes in der städtischen Kunsthalle

4 – Bildhauersymposium zur römischen Villa

5 – Herausgabe eines Buches mit der Stadtgeschichte Wittlichs für Kinder

6 – Pflege der Kunstsammlung und des Depots

7 – Herausgabe der Fortsetzung der „Geschichte der Stadt Wittlich“ für die Jahre 1945 bis heute durch Dr. Klaus Petry


2015 ff

1 – Konzept für die Nutzung des Erdgeschosses im Alten Rathaus (Umsetzung in 2016 / 2017)

2 – Bibliographie der Säubrennerhefte (auch online)

3 – Übersetzungen von Teilen der Publikationen der Stadt Wittlich in das Französische, Niederländische, Englische, Türkische, Russische etc.

4 – Optimierung der Jugendarbeit

5 – Institutionalisierung von Bildhauersymposien als „Tradition“ und Alleinstellungsmerkmal der Stadt Wittlich

6 – Permanente Weiterschreibung dieses Konzeptes


10. Fazit und Ausblick – Wie geht es weiter …

Nicht selten wird behauptet, in Wittlich würden zu viele kulturelle Veranstaltungen angeboten. Ein Eindruck, der ob der Vielzahl der Angebote und der mangelnden Abstimmung unter den Veranstaltern entstehen kann.

Festzuhalten ist, dass viele Kulturschaffende in Wittlich sehr viele Veranstaltungen alljährlich organisieren. Inwieweit Publikumsinteressen berücksichtigt werden, ist angesichts mancher recht schlecht besuchter Vorführung fraglich. Auf der anderen Seite müssen Theaterabende fünf Mal wiederholt werden, weil die Nachfrage so groß ist.

Im Allgemeinen sind es die über 50jährigen, die in den Sälen Wittlichs zu sehen sind. Jüngeres Publikum wird schlecht mit den bisherigen Angeboten erreicht.

Um diese Probleme zu lösen, ist eine Analyse der potentiellen und der existenten Zuschauer notwendig. Die Bevölkerung ändert sich, die kulturellen Angebote müssen ihr angepasst werden. Wenn man eine gemeinsame Umsetzung der Vorschläge dieses Konzeptes gestalten kann, werden die einzelnen Zielgruppen der verschiedenen Kultursparten, deren Interessen und Wünsche, einen zentralen Punkt darstellen. Auch eine Nichtnutzeranalyse ist sinnvoll.

Das bedeutet nicht, dass nur noch Veranstaltungen für einen sehr breiten Publikumsgeschmack oder für Kinder und Jugendliche angeboten werden sollen, sondern dass erkannt wird, dass diese Gruppen stärker berücksichtigt werden müssen.

Auch die städtischen finanziellen und personellen Unterstützungen sollten in naher Zukunft noch einmal überprüft und aktualisiert werden.

 

Quellennachweis:

Älter – bunter – weniger. Die demografische Herausforderung an die Kultur.
Bielefeld: Transcript, 2006

Bendixen, Peter: Einführung in das Kultur- und Kunstmanagement.
Wiesbaden: VS Verl. Für Sozialwissenschaften, 2011

Calleen, Justinus Maria: Wittlicher Kulturleitbild
Wittlich, 2008

Hagedorn, Helmut: Kultur als Aufgabe. Ziele und Perspektiven der Kulturarbeit in der Stadt Wittlich
Wittlich, 1992

Höhne, Stefan: Kunst- und Kulturmanagement. Eine Einführung.
Stuttgart: UTB, 2009

Klein, Armin: Der exzellente Kulturbetrieb.
Wiesbaden: VS Verl. Für Sozialwissenschaften, 2011

Kotter, Jon / Rathgeber, Holger: Das Pinguin-Prinzip. Wie Veränderung zum Erfolg führt.
München: Droemer, 2005

Lewinski-Reuter, Verena (Hrsg.): Kulturmanagement der Zukunft. Perspektiven aus Theorie und Praxis.
Wiesbaden: VS Verl. Für Sozialwissenschaften, 2008

Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst? Eine Qualitätsprüfung.
Frankfurt a.M.: Fischer, 2008

Scheid, Elke: Bibliothek 2010plus. Konzept zur Entwicklung der Stadtbücherei bis zum Jahr 2020.
Wittlich: Stadtverwaltung, 2008

Schmitt, Andreas: Demographische Entwicklung der Stadt Wittlich, PPP 2012

 

Scheid, Elke: Kulturarbeit in Wittlich. Ein Konzept zur Weiterentwicklung bis zum Jahr 2020. Wittlich: Stadtverwaltung, 2013, 26 S.

 

    

 

 

 

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