Jüdische Gemeinde Wittlich

Arbeitskreis " Jüdische Gemeinde Wittlich"

Am Anfang stand die Irritation: "Wieso steht in dieser Stadt eine so große Synagoge und kaum jemand erzählt etwas zur Geschichte der Juden?" Es gab zwar die jährliche Mahnwache am 9. November, aber über die konkreten Menschen, derer man gedachte, wusste man kaum etwas. Verschiedene Anlässe - unter anderem das Gedenken an die Pogromnacht vor 50 Jahren - führten dazu, daß sich Anfang 1988 eine Gruppe zum Arbeitskreis "Jüdische Gemeinde Wittlich" zusammentat.

Vor allem drei Grundlinien bestimmen die Arbeit: ◾
Erforschung des Schicksals der Wittlicher Juden in der Nazizeit
Ein erstes Ergebnis dieser Arbeit war 1990 eine Ausstellung. Es ging vor allem darum, Menschen ihr Gesicht und ihren Namen zurückzugeben. Das Schicksal der Deportierten und Ermordeten, aber auch derer, die überlebt hatten, wurde persönlich. Das hatte Folgen. Hier war für die Wittlicher Bevölkerung ein Raum gegeben, offen über die Ereignisse der damaligen Zeit zu sprechen, durch Fotos und Namen ein Stück ihrer eigenen Geschichte zu finden. Das war ein öffentlicher Anstoß zu einem Prozess, der inzwischen dazu führte, die Geschichte der Juden als Teil der Stadtgeschichte zu begreifen. Davon zeugen heute die Dauerausstellung in der ehemaligen Synagoge sowie einige Veröffentlichungen.

Kontakte zu den noch lebenden Mitgliedern der ehemaligen jüdischen Gemeinde
Bei der Gedenkveranstaltung am 9.11.1988 wurde ein offener Brief an die noch lebenden Juden verlesen, der von zahlreichen Personen unterzeichnet wurde. Dieser Brief wurde im "Aufbau" veröffentlicht, viele ehemalige Wittlicher antworteten und nahmen Kontakt zum Arbeitskreis auf. Nach und nach konnte eine fast vollständige Adressenliste zusammengestellt werden. Die Bemühungen des Arbeitskreises, einen Besuch zu ermöglichen, waren schließlich erfolgreich: 1991 fand dann auf Einladung der Stadt eine Besuchswoche statt. Für viele war es die erste Begegnung mit ihrer Geburtsstadt seit über 50 Jahren und auch die seltene Gelegenheit, Familienangehörige und Freunde von weither zu sehen. Für den Arbeitskreis war diese Woche ein Höhepunkt der gesamten Arbeit.

Regelmäßige Briefe des Arbeitskreises und viele persönliche Briefkontakte und auch Besuche einzelner in Israel, Nordamerika und England tragen dazu bei, die Begegnungen lebendig zu halten, auch mit den Angehörigen der zweiten Generation.

lnformations- und Bildungsarbeit
Die Geschichte der Juden in Wittlich ist heute zu einem großen Teil bekannt und veröffentlicht. Die Aufgabe, immer neu "gegen das Vergessen" zu arbeiten, bleibt. Dem dienen verschiedene Veranstaltungen im Rahmen der Erwachsenenbildung, die sich mit dem Judentum, mit der Geschichte und auch dem Antisemitismus heute befassen. Die Mahnwache am 9. November auf dem Marktplatz ist ein Fixpunkt im Jahr. Wichtig sind Führungen in der ehemaligen Synagoge, auf dem jüdischen Friedhof und in der Stadt selbst, vor allem auch für Kinder und Jugendliche.

 

 

 

Nach oben