Georg Meistermann

Austellung in Foyer und Raum 2-3

Das Werk des Künstlers setzt mit seiner sehr individuellen Orientierung zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion Maßstäbe in der deutschen Kunstszene nach dem Zweiten Weltkrieg. Er arbeitet hauptsächlich als Maler, Grafiker und Glaskünstler und gilt bald als einer der bedeutenden Vertreter der abstrakten Kunst in Deutschland.

Karl Ruhrberg formuliert es treffend, dass in den Werken Meistermanns alles Gegenständliche zum Zeichen wird. Die Dinge werden nicht abgebildet, sondern verwandelt. Für l’art pour l’art, für die niemandem verpflichtete Autonomie der Künste hat er nie viel übrig. Meistermann vertraut immer auf die Mitteilungskraft der Kunst, auf ihre Vermittelbarkeit. Bezeichnend ist stets seine individuelle Unabhängigkeit, sowohl bezüglich der stilistischen Entwicklung seines Oeuvres, als auch seiner geistigen Haltung hinsichtlich Kunst, Politik und Gesellschaft.

Mystische Bildwelten erschafft er in für ihn charakteristischer Aufhebung der Gegensätzlichkeit von Abstraktion und Gegenständlichkeit, die er für eindimensional hält. Seine Themenwelten entstammen teilweise dem religiösen Kontext, andere beschäftigen sich mit profanen Themen. Er tritt sowohl als freier Künstler, aber auch als Auftragskünstler in Erscheinung. So dokumentieren die im Alten Rathaus in Wittlich installierten Fenster seine Tätigkeit für den städtischen Auftraggeber und die Glasfenster in St. Markus in Wittlich zeigen exemplarisch seine Verbundenheit mit der Kirche.

Immer wieder tritt Meistermann als Porträtist in Erscheinung. Erhalten sind  Porträtarbeiten aus seinem persönlichen Umfeld sowie Bildnisse diverser Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Politik.

Nach einer Einführung in das Werk des Künstlers in den ersten beiden Ausstellungsräumen erwartet Sie eine Fokussierung auf den Themenkomplex der Glasfensterentwürfe und ihre Restaurierung sowie der  Motivkomplex der Apokalyptischen Reiter. Gezeigt werden ausgewählte Objekte der Sammlung der Stiftung Stadt Wittlich. Dazu gehört neben dem repräsentativen Bestand der Gemälde und Grafiken das umfangreiche Konvolut der im Maßstab 1:1 ausgeführten Kartons der Glasfensterentwürfe. In Wittlich befinden sich etliche Glasfenster Georg Meistermanns nicht nur im Alten Rathaus, sondern auch in einigen anderen Gebäuden. Im Zusammenhang mit den hier gezeigten Glasfensterentwürfen ist insbesondere die katholische Pfarrkirche St. Markus zu erwähnen, die sich ganz in der Nähe zum Alten Rathaus befindet und zum Vergleich der Entwürfe mit den originalen Ausführungen der Glasfenster einlädt.

Eine kleine Auswahl der Biografie

1911wird der Künstler in Solingen als Sohn des Schuhmachers Georg Arthur Meistermann und seiner Frau Sophie geboren. Das familiäre Umfeld
ist katholisch geprägt.

1928 nimmt Meistermann das Studium an der Kunstakademie Düsseldorf auf, während der dortigen drei Semester arbeitet und lernt er unter Werner Heuser, Heinrich Nauen und Ewald Mataré.
1933 muss er die Ausbildung an der Kunstakademie abbrechen und bildet sich nun autodidaktisch fort. Nach diesem erzwungenen Studienabbruch im Zuge der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten arbeitet er als freischaffender Künstler.
1937-1939reist er in die Niederlande, nach Frankreich und England.
1944wird ein Großteil seines Frühwerks durch Kriegseinwirkungen zerstört.
1949erhält Meistermann einen der ersten öffentlichen Kunstpreise,
den Karl-Ernst-Osthaus-Preis.

1953Gastdozent an der Landeskunstschule in Hamburg
1953Leiter der Klasse für freie Grafik an der Frankfurter Städelschule
1955Berufung als Professor an die Düsseldorfer Kunstakademie für freie
und monumentale Malerei
1960-1976Professur an der Kunstakademie Karlsruhe
1964-1967Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in München
1967-1972Präsident des Deutschen Künstlerbundes
1976Glasfenster für den campo santo teutonico, Vatikanstadt
1977Auftrag des Bundeskanzleramtes für die Bonner Bundeskanzler-Galerie das Porträt Willy Brandts zu fertigen (2. Porträt)
1990stirbt Georg Meistermann am 12. Juni in Köln.

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Exponate

Selbstbildnis von Georg Meistermann

1936

Skeptisch befragt sich hier ein junger Künstler im Medium einer rasch entstandenen Tuschezeichnung, wie die dynamische Strichführung belegt. Nirgendwo sonst ist der Künstler in der Gestaltung so frei wie beim Selbstporträt – Auftraggeber und Modell in Personalunion. Dadurch eröffnet sich ein reiches  Experimentierfeld.

Porträt Edeltrud Meistermann-Seeger

1947

Stilistisch ist Meistermanns Zeichnung seiner späteren Ehefrau Ausdruck seiner damaligen Gestaltungsweise mit ausgeprägter Hinwendung zu konturbetonter Linearität. Er zeigt einen flüssigen Federstrich, der die Figur auf das Wesentliche reduziert.

Studie Carlo Schmid

1956

Die Studie des Politiker Carlo Schmid dokumentiert eine deutliche Entwicklung in der modernen Porträtgestaltung. Hier gestaltet Meistermann den Kopf  im Kontrast zu seiner früheren künstlerischen Ausprägung mit der Tendenz zu freischwebenden Farbfeldern. Transparente, zerfließende Flächen vermeiden feste Konturen. Noch findet sich die Affinität zur Identifizierbarkeit, formal setzt allerdings bereits eine ausgeprägte Tendenz zur Abstraktion ein.

Vierhändig – Klavierspielerinnen

1949

Meistermann setzt sich hier explizit mit den kubistischen Ideen Georges Braques (1882-1963) und Pablo Picassos (1881-1973) auseinander. Zudem nutzt er den in der modernen Malerei unter anderem im Werk Wassily Kandinskys (1866-1944) und Paul Klees (1879-1946) bekannten Synergieeffekt von Bildender Kunst und Musik. Mittels rhythmischer Form- und Farbverdichtungen setzt er die Musik in Gesetzmäßigkeiten der Malerei um.

Die Entwicklung der deutschen Kunst nach 1945 ist aufgrund ihrer ausgeprägten Reglementierung zur Zeit des Nationalsozialismus von Orientierungslosigkeit geprägt. Bisher unpopuläre Künstler, zu denen auch Meistermann gehört, erlangen nun verstärkt positive Aufmerksamkeit.

Von besonderer Auswirkung ist naturgemäß die Aufhebung der Isolation der deutschen Künstler im internationalen Kontext. Der konstruktive intellektuelle Austausch ist nun wieder möglich – ein Befreiungsschlag! So findet 1948 eine erste deutsch-französische Ausstellung in Paris statt. Im Salon des Realités Nouvelles werden unter anderem Arbeiten von Meistermann gezeigt.

Zwei Kreise – Doppelpunkt

1957
hier ist kein text vorhanden.

Gefüge II

1959-60

Seit 1952 prägen geometrische Ordnungen das Werk, wie in ‚zwei Kreise - Doppelpunkt‘ von 1957. Aber auch in der Komposition ‚Gefüge II‘ aus den Jahren 1959-60 verdeutlicht sich die Tendenz zur Reduktion auf klare Formen, verstärkt noch durch die farbliche Selbsteinschränkung auf den Bereich des Grisaille. Monochrom und meditativ ist der Gesamteindruck.

Ein Fokus seiner Arbeit liegt hier im Bereich der psychologischen Wirkung eines Grundtones, seine räumliche Wirkung unter der Arbeit mit feinsten Nuancen. Der Maler reduziert seine Palette und zielt einen entmaterialisierten Gesamteindruck an.

Cherub

1978-1979

Anspielend auf christliche Symbolik nutzt Meistermann hier die Kreuzform, die die Komposition zu einer Meditation  mit christlichem Sinngehalt werden lässt. Diese sakrale Perspektive zeigt sich insbesondere, aber eben nicht isoliert, auch in vielen seiner Glasarbeiten.

Die christlich-religiöse Thematik ist ein sein Werk durchziehendes Thema. Dabei arbeitet er teilweise autark, ohne Auftraggeber, vielfach aber auch direkt für die Kirche – sei es für die katholische oder für die evangelische.

Insgesamt bleibt sein Werk der 70er und 80er Jahre stilistisch grundsätzlich unberührt von aktuellen Kunstströmungen.

Schwebender Punkt

1969

Einmal gestaltet der Künstler monochrom, ein anderes Mal sind seine Kompositionen von intensiver Farbigkeit. Insbesondere bei diesem Werk setzt er sich besonders mit der Farbe Rot auseinander. Die Arbeit mit der Raumwirkung der Farbe ist generell über Jahre ein zentrales Thema im Werkprozess Meistermanns. Sein Werk ist geprägt von der Charakteristik der Diversität seiner formalen Gestaltung: auf der einen Seite von kräftigem Duktus, dann wieder transparent zart.

Ohne Titel – Blau schwebend

1988-89
hier ist kein text vorhanden.

Helle Schwinge

1989

Anstatt des üblichen Malgrundes der Leinwand verwendet Meistermann hier den erheblich gröberen Rupfen oder Sackleinen als Bildträger. Diese haptisch grobe Charakteristik des Materials steht im gewollten Kontrast zu der verhältnismäßig zarten Bildkomposition. Deren flüchtiger Ausdruck wird dadurch verstärkt. Damit erreicht der Künstler kontrastreich eine Ausdrucksform für sein Hauptthema, das Schweben. Tendenzen dieser Arbeitsweise finden sich auch im Werk Paul Klees.

Intensiv wendet sich Meistermann immer wieder dem Motiv und Thema des Schwebens zu. Diese Metaphern versinnbildlichen in abstrakter Formsprache Bewegungs- und Schwebezustände. Die Kunsthistorikerin Inge Herold beschreibt die Schwingen treffend als Metaphern für abstrakte Begriffe wie Freiheit und Bewegung.

Totenkopf

1990

Besonders in den letzten Jahren gestaltet Meistermann sein Werk sehr variantenreich. Immer wieder dominiert die Tendenz zum Meditativ-Symbolischen, in diesem Fall handelt es sich um ein traditionelles Memento mori-Motiv aus Meistermanns Todesjahr. Metaphorisch versinnbildlicht das Motiv die Vanitas, die Vergänglichkeit alles Lebenden. Als Stilmotiv findet es sich in allen Epochen der Kunst, besonders aber in niederländischen Stilleben des 17. Jahrhunderts. Die Idee des Memento mori zieht sich aber bis weit in die Kunst des 20. Jahrhunderts und bis zu Arbeiten von Künstlern der Gegenwart. Typisch ist u.a. das Motiv des Totenschädels.

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