Georg Meistermann als Glaskünstler

Austellung in Raum 4-6, Kartons

Entwurf und Ausführung - die Verbindung von freier und angewandter Kunst

Zu den ersten wichtigen Aufträgen Georg Meistermanns gehört 1948 die Ausführung der Fenster für die St. Markuskirche in Wittlich, deren Entstehungsgeschichte die hier präsentierten Kartons dokumentieren. Anfang der 60er Jahre entstehen die ebenfalls gezeigten Entwürfe für die Glasfenster der Evangelisch-Lutherischen Matthäusgemeinde in Frankfurt.

Die durch den Zweiten Weltkrieg entstandenen Zerstörungen führen zu einer großen Anzahl neuer Glasmalereien und Bleiverglasungen, die vor allem während der 1950er- und 1960er Jahre entstehen. Eng der Architektur verbunden, setzt sich Meistermann stets speziell mit der Funktion der jeweiligen Raumstruktur auseinander und erfasst die Spezifität seiner Möglichkeiten.

Der Entwurf ist hier jeweils in einer Schlüsselfunktion zu sehen, eine Verknüpfung von Kreativität und Planung. Er dient als Mittel der Veranschaulichung und Kommunikation. Auf diese Weise können Qualitätsanspruch und  Funktionalität weitergegeben werden. Grundlegend ist die Fixierung der Idee Meistermanns als Basis für das auszuführende Kunstwerk. Speziell im Bereich der Glasfensterproduktion ist er als Künstler auf eine enge Kooperation mit den ausführenden Glaswerkstätten angewiesen.

Zur Anleitung dieser Ausführung, die er immer wieder kontrolliert, dient ihm die Basis des jeweils 1:1 hergestellten Kartons. Detailliert definiert Meistermann hierbei die Komposition des Motivs und die Farbwahl. Zielgerichtet entwirft Georg Meistermann seine Glasfenster als Vorbereitung des sich im weiteren Arbeitsgang in Kooperation mit der Glaswerkstatt entstehenden Objekts.

Die meisten Entwürfe Meistermanns zeigen den Eindruck des gesamten zukünftigen Fensterbereichs im jeweiligen Kirchenraum. Daraus ergibt sich ihre zumeist imposante Größe. Ein Beispiel ist der Karton, der sich in den ersten Räumen der Ausstellung befindet. Aufgrund seiner Länge von einigen Metern wird er nur zum Teil für die Präsentation ausgerollt. In diesen Räumen finden Sie allerdings kleinere Entwürfe, die 1:1 bestimmte Ausschnitte der Fenster dokumentieren. Die Größenzuordnung geht auf den Künstler selbst zurück.

Der Kontext der Glasmalerei

Georg Meistermann gelingt eine Neuformulierung der Formsprache sowohl für sakrale, als auch für profane Funktionszusammenhänge. Zeitgemäß modern behält er teilweise gegenständliche Tendenzen bei, um an anderer Stelle eine abstrakte Formenwelt zu erschließen. In einigen Fällen bleibt er dabei lyrisch-narrativ, manchmal hingegen entmaterialisiert er die Darstellungen zum Abstrakten hin. Überzeugend gestaltet er in beiderlei Hinsicht. Damit gelingt ihm der Anschluss Deutschlands an die internationale Kunstszene, die nach 1945 dringend nötig war.

So steht er im Kontext der Entwicklung der Glaskunst, die seit 1910 mit dem für die Glasmalerei wegweisenden Johann Thorn Prikker (1868-1932) verbunden ist. Er orientiert sich dabei an der  mittelalterlichen Glasgestaltung und trennt sich von der Entwicklung des 19. Jahrhunderts, die eine Malerei auf Glas darstellte.
Geprägt ist die neue Stilentwicklung von der grafischen Strenge des Bleirutennetzes mit der durch das Licht gesteigerten Farbigkeit des Glases. Insbesondere das Rheinland und Westfalen nehmen in der Erneuerung der modernen Glasmalerei eine Schlüsselstellung ein.

Einzigartig ist die Besonderheit der Glasfenster: Glas und Licht gehen eine inspirierende Verbindung ein. Es entsteht Farbe durch Lichtbrechung. Dagegen wird die Farbe auf einer bemalten Oberfläche, wie einer Leinwand, durch Reflexion des Lichts wahrgenommen -  ein entscheidender Unterschied. Die Glasmalerei hat einen besonderen Stellenwert in der Malerei, denn keine andere Maltechnik kann eine so hohe Farbleuchtkraft und so große Helligkeitsunterschiede zeigen wie ein durchsichtiges Glasbild.

In Wittlich besteht die Möglichkeit, die Glasfenster zu den ausgestellten Entwürfen zu sehen. Für den Vergleich der Kartons mit der vollendeten Fenstergestaltung bietet sich neben der Kirche St. Markus insbesondere die Thematik der Apokalyptischen Reiter hier im Alten Rathaus an. Diese finden sie im anschließenden Treppenbereich sowie im ersten Obergeschoss. Die Entwürfe sind den Fenstern direkt gegenübergestellt.

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Dokumentation der Papierrestaurierung der pastosen Kreidezeichnungen auf Packpapier

Zustandsbeschreibung vor der Restaurierung

Die Entwürfe waren stark deformiert und mit zahlreichen Knicken, Einrissen und
Fehlstellen versehen. Zum Teil waren die Risse beidseitig mit Kreppband und anderen Selbstklebestreifen verklebt. Eine frühe Art der Reparatur geschah bereits im Atelier Meistermanns. Kreiden waren zum Teil verwischt und neigten zum Abpudern.

Trockenreinigung

Aufgrund der locker auf dem Untergrund aufliegenden Kreidezeichnung konnten die
Objekte lediglich sehr vorsichtig oberflächlich gereinigt werden. Dies geschah mittels
Latexschwämmchen und Mikrofasertüchern sowohl vorder- als auch rückseitig.

Entfernen der Verklebungen

Vorgefunden wurden verschiedene Arten von Klebebändern. Durch Erweichen des
Klebstoffes mittels Wärme konnte das jeweilige Trägerband vorsichtig abgenommen
werden. Verbleibender Klebstoff wurde mit Lösungsmittel (Ethylactat) aufgequollen
und entfernt.

Schließen von Rissen und Fehlstellen

Risse wurden auf der Rückseite mit eingefärbtem Japanpapier und Weizenstärkekleister hinterlegt und beschwert getrocknet. Fehlstellen sind ebenfalls mit eingefärbtem, in der Stärke dem Original angepasstem, Japanpapier ergänzt worden.

Glätten

Der zu glättende Entwurf wurde rückseitig mit einem feinen Sprühnebel befeuchtet und mit hydrophoben Vliesen und Folie abgedeckt. Durch die Aufnahme von Feuchtigkeit entspannte sich das Papier und wurde anschliessend, beschwert mit Filzen, Brettern und Gewichten getrocknet. Insbesondere das Glätten gestaltete sich bei diesen stark verspannten und mehrfach gefalteten Entwürfen aufgrund der rückseitigen Verklebungen aus dem Atelier Meistermanns sehr schwierig.
Das Entfernen der Verklebungen verbietet sich aus Gründen der Authentizität der
Entwürfe. Ein vollständiges Planlegen war dadurch nicht möglich. Die „bewegte“
Oberfläche entspricht jedoch durchaus dem Entwurfscharakter.

Retusche

Kleinere Fehlstellen im Original wurden mit Aquarellfarbe oder Pastellstiften retuschiert.
Größere Papierergänzungen sind in ihrer Grundfarbigkeit dem Entwurf angeglichen.

Wir bedanken uns bei der Papierrestaurierung Monika Schneidereit-Gast /Katrin Hüpeden, Solingen, für die Dokumentation der ausgeführten Arbeiten.

Die Herstellung des Glasfensters

Die Herstellung eines Glasfensters hat sich grundsätzlich seit dem Mittelalter wenig verändert. Noch immer finden sich die elementaren Vorgänge in der Beschreibung
des Mönches Theophilus Presbyter der „Schedula diversarum artium“.

Eine detaillierte Skizze dient als Basis und stellt den ersten Arbeitsgang her. Nun bildet die Herstellung der Werkzeichnung in der Originalgröße 1:1, der sog. Karton,
den nächsten Werkprozess. Meistermann selbst arbeitet sogleich gerne in Originalgröße. Alle Maße und architektonischen Voraussetzungen werden bereits
exakt in die Planung mit einbezogen. Schablonen, in Form geschnittene Pappen, helfen bei der Zusammenstellung.

Nun folgt der sog. Riss, d.h. der Glasmacher stellt eine Pause der Bleiruten des Kartons her, diese werden durch dicke schwarze Linien markiert. Damit ist eine Vorlage für das Zuschneiden des Glases erstellt.  Dessen Auswahl ist entscheidend für die Qualität des späteren Glasfensters und wird aus diesem Grund mit großer Sorgfalt vollzogen.

Georg Meistermann verwendet vielfach Antikglas. Der Unterschied zwischen herkömmlichem Glas und Antikglas besteht in der Unterschiedlichkeit von Dicke und Struktur. Antikglas wirkt aufgrund seiner verschieden ausgeprägten Stärke lebendiger als das sprödere Fabrikglas.

Auch für das Zuschneiden des Glases ist großes Geschick und Erfahrung erforderlich. Im weiteren Produktionsprozess werden die geschnittenen und
geschliffenen Glasstücke auf einer Staffelei befestigt. Diese hat einen Glasrahmen, auf dessen Rückseite das Bleirutennetz verzeichnet ist. Jede einzelne Scheibe
des zukünftigen Fensters wird mittels Bleiruten und Kitt zusammen gehalten. Blei ist ein leicht zu bearbeitendes Material, das zudem witterungsbeständig und
unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen ist.

Dem Riss entsprechend wird nun Glasstück für Glasstück von einer Ecke des Fensters ausgehend in die Konstruktion eingesetzt. Passende Bleiruten werden
um das Glas gelegt und mit einigen Nägeln befestigt. Im Weiteren wird Kitt, eine Mischung aus pulverisierter Schlämmkreide und Gips, der wiederum mit Mennige,
Russ, Spiritus und Leinöl vermengt wird, in die Zwischenräume von Glas und Bleirutennetz gefüllt. Dadurch wird das Konstrukt stabiler und witterungsbeständig.
Zuletzt erfolgt das Einsetzten des Glases in die dafür vorgesehene Fensteröffnung. Erst zu diesem Zeitpunkt - wenn das Tageslicht durch das Glas fällt - kann an Ort
und Stelle beurteilt werden inwieweit das Werk gelungen ist.

Restaurierungsarbeiten

Im Jahre 2011 engagierte sich die Stiftung Stadt Wittlich durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten bezüglich der Werke Georg Meistermanns. Etliche Entwurfskartons für die Glasfenster wurden in aufwendiger Kleinarbeit fachmännisch von Papierrestauratoren bearbeitet. Dadurch gelang es, ihr ursprüngliches  Erscheinungsbild sowie ihre einzigartige Farbenpracht zu erhalten.

In den folgenden Ausstellungsräumen präsentieren sich die Werke in neuem Glanz. Im Detail finden Sie Erläuterungen in Text und Bild zu den ausgeführten Restaurierungsarbeiten.

Ebenfalls  erstrahlt das frisch restaurierte Triptychon aus Privatbesitz, das momentan eine temporäre Leihgabe in diesem Hause darstellt, in seiner alten Farbenpracht. Das als Lob des friedlichen Lebens titulierte Gemälde entstand 1940. Sie finden es im angrenzenden Treppenhausbereich.

Aufgrund seiner imposanten Größe ist es schwierig, einen optimal geeigneten Standort für die Präsentation zu finden. Im Grunde ist es zu groß für die vorhandenen Räumlichkeiten. Doch wir möchten Ihnen das Triptychon nicht vorenthalten und haben uns aus diesem Grund für eine nicht optimale Hängung entschieden. Wir hoffen, Sie sehen uns das nach und haben Freude an dem Gemälde.

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